Postoperative Infektionen erhöhen lange Zeit das Risiko für Infektionen und Sterblichkeit

  • JAMA Surgery

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit postoperativen Infektionen haben ein dreifach erhöhtes Risiko für Spätinfektionen, also Infekten innerhalb von 31-365 Tagen nach dem chirurgischen Eingriff. Die Sterblichkeit innerhalb des 2.-12. Monats postoperativ ist verdoppelt.

Hintergrund
Frühere Untersuchungen hatten bereits ergeben, dass postoperative Infektionen mit einer erhöhten Morbidität (Risiko für Bakteriämie, Sepsis) und Mortalität zeitnah zum chirurgischen Eingriff assoziiert sind. Nun ist in einer großen Registerstudie aus den USA die Frage untersucht worden, wie sich die Risiken im weiteren Verlauf entwickeln (1).

Design

  • retrospektive Kohortenstudie aus dem US-amerikanischen Register der Veterans Health Administration
  • Teilnehmer: Patienten, die zwischen Januar 2008 und Dezember 2015 einen größeren chirurgischen Eingriff hatten
  • Differenzierung zwischen zwei Gruppen: Infektion innerhalb der ersten 30 Tage postoperativ und keine Infektion innerhalb der ersten 30 Tage postoperativ
  • Vergleich des Langzeitverlaufs zwischen diesen beiden Gruppen

Hauptergebnisse
Daten von 659.486 Patienten wurden ausgewertet. 3,6 % von ihnen (n = 23.815) hatten eine Infektion bis Tag 30 postoperativ und 6,6 % bis zum Tag 365 postoperativ. Am häufigsten waren Infektionen an der Operationsstelle (40,2 %), Harnwegsinfekte (27,5 %), Pneumonie (14,8 % und Blutstrominfektionen (8,8 %). Die Spätinfektionen (Tag 31-365) schlossen all diese Lokalisationen mit ein.

Die Patientengruppe mit Infektion bis zum 30. Tag postoperativ hatte ein 3,2fach erhöhtes Risiko für Spätinfektionen und ein 1,9fach erhöhtes Risiko, an einer Infektion zu sterben (Tag 31-365 nach dem chirurgischen Eingriff). Bei der Sterblichkeit blieben diejenigen Teilnehmer unberücksichtigt, die an anderen Ursachen als Infektionen starben.

Klinische Bedeutung
Postoperative Infektionen können auch über den als "kritisch" eingeschätzten Zeitraum der ersten 30 Tage nach chirurgischer Behandlung hinaus zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Dieses Spätrisiko werde derzeit unterschätzt, so die Autoren der Studie. Die Prävention postoperativer Infekte müsse weiter verbessert werden.

In Deutschland treten jährlich circa 400.000 bis 600.000 Infektionen und 6.000 bis 15.000 Todesfälle im Zusammenhang mit einer stationären Behandlung auf. Allein die Infektionen an der Operationsstelle (Wundinfektionen) machen 22,4 % dieser nosokomialen Infektionen aus (2). Hinzu kommen Infektionen durch invasive Diagnostik, künstliche Beatmung, die Anwendung von Gefäß- und Harnwegskathetern oder Ernährungssonden. Die Auslöser sind zu fast 96 % Bakterien, vor allem Escherichia coli, Clostridium difficile und Staphylococcus aureus. Die Antibiose ist wegen der Resistenzentwicklungen häufig schwierig.

Finanzierung der US-Studie: Pfizer