Polyzystische Nieren: Lanreotid hält eine Verschlechterung der Nierenfunktion nicht auf


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Therapie mit Lanreotid verzögert bei Patienten mit autosomal dominant vererbter polyzystischer Nierenerkrankung (ADPKD) im fortgeschrittenen Stadium die Abnahme der Nierenfunktion nicht, so dass von einer Therapie mit dem Somatostatinanalogon für diese Gruppe von Patienten abgeraten wird.

Hintergrund

Patienten mit autosomal dominant vererbter polyzystischer Nierenerkrankung (ADPKD) haben Zysten in den Nieren und meist auch in der Leber (> 90 % der über 35-jährigen Patienten [1]). Das klinische Spektrum reicht von asymptomatischen Erkrankungen bis zu schwerer Beeinträchtigung durch die Vergrößerung der beiden Organe; die Erkrankung ist eine häufige Indikation zur Nierentransplantation. Experimentelle Untersuchungen hatten ergeben, dass das Somatostatinanalogon Lanreotid nierenprotektiv wirkt: vermutlich, weil es die Adenylatzyklase hemmt und damit die Bildung von zyklischem AMP (cAMP), das die Proteinkinase (PKA) aktiviert. Eine aktivierte PKA wiederum regt Stoffwechsel und Wachstum an. Frühere klinische Studien hatten ebenfalls auf eine Nephroprotektion von Lanreotid hingewiesen, allerdings waren die Patientenpopulationen klein und heterogen gewesen. Nun sollte eine größere, prospektiv randomisierte Studie die Frage beantworten, ob Lanreotid bei ADPKD-Patienten im fortgeschrittenen Stadium die Nieren schützt (2).

Design

  • prospektiv randomisierte Studie mit 309 ADPKD-Patienten im fortgeschrittenen Stadium (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate [eGFR]: 30-60 ml/min)
  • die Verumgruppe erhielt alle 4 Wochen 120 mg Lanreotid subkutan plus eine Standardtherapie, die einen Blutdruck von
  • die Kontrollgruppe nur die Standardtherapie.
  • primärer Endpunkt (verblindet): jährliche Veränderung der Nierenfunktion über einen Zeitraum von mindestens 2,5 Jahren

Hauptergebnisse

261 Patienten beendeten die Studie (n = 118 Lanreotid, n = 143 Kontrolle). Die eGFR sank um durchschnittlich um 3,53 ml/min pro Jahr in der Verumgruppe und um 3,46 ml/min in der Kontrollgruppe. Es gab keine signifikanten Unterschiede bei der Veränderung der Nierenfunktion in Studienverlauf, wenn auch das Nierenvolumen unter Lanreotid etwas langsamer zunahm als bei Standardtherapie allein. Die Rate der unerwünschten Wirkungen war jedoch unter dem Somatostatinanalogon deutlich höher, darunter Reaktionen an der Injektionstelle (32 vs. 0,7 %), Papulae an der Injektionsstelle (5,9 vs. 0%) und flüssiger Stuhl (91 vs. 6,6 %).

Klinische Bedeutung
Eine Behandlung mit dem Somatostatinanalogon Lanreotid mit dem Ziel, die Nierenfunktion bei fortgeschrittener ADPKD zu erhalten, ist nicht zu empfehlen. Die Therapie wirkt nicht nephroprotektiv und ist mit häufigen unerwünschten Effekten assoziiert.

Finanzierung: öffentliche Mittel der Niederlande und von IPSEN Pharmaceuticals