Pneumonie bei Kindern: Procalzitonin enttäuscht als Biomarker


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Viral oder bakteriell? Ein Procalcitonin-Test scheint bei Kindern mit Pneumonie wenig geeignet zu sein, die Entscheidung für oder gegen eine Antibiotika-Therapie zu treffen. So lautete das Fazit der pädiatrischen Pneumologen beim Jahreskongress der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) vergangenen Monat in München.

Klinisches Bild entscheidet über Antibiotika-Gabe

Drei von vier ambulant erworbenen Pneumonien bei Kindern sind viral bedingt, vor allen Dingen durch RSV (Respiratory Syncytial Virus) und Rhinoviren, sagte Prof. Dr. Gesine Hansen, Kinderpneumologin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nur etwa 15 Prozent werden durch Bakterien wie Pneumokokken ausgelöst. Ob antibiotisch behandelt wird oder nicht, hänge dabei immer von der klinischen Einschätzung ab.

Die Leitlinien empfehlen bei Säuglingen und Kleinkindern mit nicht schwerer ambulant erworbener Pneumonie ohne Fieber oder mit deutlicher bronchialer Obstruktion keine primäre Antibiotikatherapie, da mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Virusinfektion vorliege. Bestehen hingegen typische Anzeichen einer Lungenentzündung, mit beschleunigter Atmung und Fieber mit Atemnot, ist in der Regel ein Antibiotikum indiziert.

PCT: hohe Sensitivität, geringere Spezifität

Die Messung des Prokalcitonin-Spiegles im Blut der jungen Patienten schien zunächst vielversprechend, um zwischen viral und bakteriell verursachten  Pneumonien zu unterscheiden. Prokalcitonin (PCT) ist ein Polypeptid, das typischerweise bei bakteriellen Infektionen erhöht ist. Ein niedriger Wert ist mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für eine bakteriell induzierte ambulant erworbene Pneumonie assoziiert. Eine europäische Studie habe das zwar bestätigt, heißt es in einer Mitteilung zum Pneumologenkongress. Bei einer Sensitivität von 86% konnte aber nur eine Spezifität des Tests von 45% ermittelt werden. Der negative Vorhersagewert war mit 96% hoch.

Enttäuschend fiel laut Hansen nun eine ähnliche Studie mit 1600 stationär aufgenommenen Kindern mit ambulant erworbener Pneumonie in 14 US-amerikanischen Krankenhäusern aus. Bei klinisch unklarer Einschätzung der Pneumonie erfolgte der PCT-gesteuerte Einsatz von Antibiotika. Die anderen Patienten bildeten die Kontrollgruppe. Am Ende unterschied sich weder die Dauer der der Antibiotika-Gabe in den beiden Gruppen, noch war der Anteil der Patienten mit kompliziertem Verlauf verschieden.

Die Bestimmung des PCT erscheine damit nicht geeignet, so Hansen in München, um bakteriell von viral verursachten ambulant erworbenen Pneumonien bei Kindern zu unterscheiden.