Pneumologen warnen vor dem Suchtpotenzial von E-Zigaretten


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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E-Zigaretten, Shishas und Heat Sticks können junge Menschen nikotinabhängig machen und den Weg in den Tabakkonsum ebnen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im Vorfeld ihres Kongresses  in Dresden hin.

Schätzungsweise eine Millionen Deutsche rauchten 2016 regelmäßig E-Zigaretten. Die Wasserpfeife ist bei Jugendlichen beliebt: Laut DAK rauchen 15 Prozent der Zehntklässler regelmäßig Shisha. „Der süße Geschmack der E-Zigarette und das breite Angebot an Aromastoffen machen das Dampfen vor allem bei jungen Menschen beliebt und erhöhen die Akzeptanz für das Rauchen“, warnt der Pneumologe Dr. Peter Kardos in einer Mitteilung. US-amerikanische Untersuchungen zeigten, dass die E-Zigarette den Einstieg in den konventionellen Tabakkonsum bahnen könne. „Tabakkonzerne steigen in das E-Zigarettengeschäft ein, um das Image des Rauchens zu verbessern und mehr junge Menschen zum täglichen Konsum zu verleiten“, sagt Kardos. In einem Positionspapier weist die DGP darauf hin, dass Inhalationsprodukte wie E-Zigaretten und Wasserpfeifen gesundheitsgefährdende Suchtmittel sind und deshalb den gleichen gesetzlichen Regularien unterliegen sollten wie Tabakprodukte.

Was das Inhalieren von Dampfen E-Zigaretten, Wasserpfeifen und Tabakerhitzern langfristig für ihre die Gesundheit bedeutet, lässt sich aufgrund der aktuellen Studienlage nicht beurteilen, sagt Kardos. Nach Beginn der industriellen Produktion hat es auch bei den konventionellen Zigaretten gut 30 Jahre gedauert, bis feststand, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht. „Zwar enthalten E-Zigaretten keine Verbrennungsprodukte – aber auch das beim Dampfen dabei entstehende Aerosol enthält entzündungsfördernde, reizende und krebserregende Substanzen, die die Lunge langfristig schädigen können“. So fand eine andere US-Studie Hinweise dafür, dass Jugendliche, die regelmäßig dampfen, doppelt so häufig an Bronchitis erkranken wie ihre nichtrauchenden Altersgenossen. Hinzu kommt, dass die meisten E-Zigaretten den Suchtstoff Nikotin enthalten, der möglicherweise selbst schon krebserregend ist.

Ob E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen können, ist laut der Fachgesellschaft wissenschaftlich nicht belegt. Eine aktuelle Metaanalyse fand keine aussagekräftigen Hinweise dafür. Dennoch bewirbt die Industrie E-Zigaretten und sogenannte Tabakerhitzer (Heat Sticks) die das Nikotin ohne Verbrennungsprodukte abgeben – als Ersatzprodukt für Raucher. Experten geben zu bedenken, dass Heat Sticks den Rauchstopp sogar erschweren können, weil sie das Ritual des Rauchens aufrechterhalten. Viele Nutzer griffen trotzdem noch regelmäßig zur Tabak-Zigarette (sog. Dual Users), betont Kardos. 

E-Zigaretten könnten der Beginn einer lebenslangen Nikotinabhängigkeit sein, warnten erst kürzlich auch die US-Autoren eines Berichtes zu den gesundheitlichen Folgen der E-Zigaretten  .  

Allerdings seien diese Zigaretten nicht so schädlich wie herkommlich Tabak-Zigaretten. So sei möglicherweise das Suchtpotenzial geringer, was allerdings vom jeweiligen Nikotin-Gehalt abhänge. Auch die Schäden durch toxische Substanzen in den E-Liquids seien geringer, schlussfolgern die US-Autoren um Professor David Eaton von der Universität von Washington. Gleichwohl warnen auch sie aufgrund der vorhandenen Suchtgefahr und dem Risiko, Jugendliche zum Umstieg auf Tabak-Produkte zu bewegen, vor dem Konsum von E-Zigaretten.