Pleozytose im Hirnwasser deutet auf schlechtere Prognose bei schubförmiger Multipler Sklerose

  • Neurology: Neuroimmunology & Neuroinflammation

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Eine erhöhte Zellzahl in der Zerebrospinalflüssigkeit zu Beginn der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose stellt einen ungünstigen prognostischen Marker dar. Dieser Parameter korreliert mit häufigeren Schüben und einer schnelleren Zunahme der Behinderungen.

Hintergrund

Der Verlauf und die Prognose der Multiplen Sklerose ist – auch innerhalb der verschiedenen Subtypen – uneinheitlich. Hier wurde eine, in der Zerebrospinalflüssigkeit bestimmte, Pleozytose auf ihre Eignung als potenzieller Biomarker untersucht.

Design

Retrospektive Evaluation von 114 Patienten (72 weiblich) mit einer schubförmig-remittierenden Form der Multiplen Sklerose (RRMS, n = 100) oder einem isolierten klinischen Syndrom (CIS, n = 14), die bei der Präsentation ihrer Krankheit eine Lumbalpunktion erhalten hatten. In Betracht gezogen wurde die Zellzahl in der Zerebrospinalfüssigkeit, die klinische Diagnose, die annualisierte Rückfallrate, außerdem paraklinische Befunde wie die Bildgebung und evozierte Potenziale und schließlich die Krankheitsprogression, erfasst an der Expanded Disability Status-Skala (EDSS).

Ergebnisse

  • Zum Zeitpunkt der Diagnose waren die Patienten durchschnittlich 32,4 Jahre alt; sie wurden 9,4 Jahre nachverfolgt.
  • 46 Patienten hatten mindestens 5 Zellen / µL in ihrer Zerebrospinalflüssigkeit. Sie hatten im Vergleich zu Patienten mit weniger als 3 Zellen /µL eine erhöhte annualisierte Rückfallrate (0,60 ± 0,09 gegenüber 0,48 ± 0,04; p = 0,0267).
  • Patienten mit größeren Zellzahlen in der Zerebrospinalflüssigkeit verschlechtern sich außerdem schneller: Der Verlauf ihrer EDSS-Werte beschrieb eine steilere Kurve; der Korrelationskoeffizient r2 betrug 0,04 (p = 0,0251).

Klinische Bedeutung

Die Studie legt nahe, dass erhöhte Zellzahlen in der Zerebrospinalflüssigkeit zu Beginn einer RRMS eine ungünstige Prognose anzeigen. Weitere retrospektive Studien, die dies überprüfen, sollten ohne großen Aufwand möglich sein und könnten zu Etablierung dieses Biomarkers führen, der sich routinemäßig und ohne großen Aufwand bestimmen ließe. Der Unterschied in den Rückfallraten ist zwar nur moderat, könnte aber doch in Grenzfällen auch therapeutisch relevant sein.  

Finanzierung: Keine.