Pilotprojekt: Einsendetest für HIV und andere sexuell übertragbare Erkrankungen wird gut angenommen


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernaussage

Im Rahmen eines Pilotprojekts können sich angemeldete Nutzer in Bayern regelmäßig mit Hilfe des Einsendetests S.A.M. (für sampling, Probenentnahme) regelmäßig auf HIV, Syphilis, Chlamydien und Gonokokken testen lassen. Nach Aussage der Deutschen Aidshilfe übertreffen die bisherigen Ergebnisse die Erwartungen. Der Test wird nicht nur gut angenommen, sondern spricht auch bisher unerreichte Zielgruppen an.

Der Test

Der S.A.M-Test – die Abkürzung steht für sampling, Probenentnahme – ist ein Paket mit Tests auf HIV, Syphilis, Chlamydien und Gonokokken. Im Rahmen des Pilotprojekts in Bayern können sich Interessierte online anmelden und führen dann zunächst in einer der vier Teststellen in München (2 Teststellen), Nürnberg und Regensburg ein Beratungsgespräch. Danach wird der Test je nach Bedarf alle 3, 6 oder 12 Monate zugesandt. Blut- und Urinproben sowie Abstriche werden selbst entnommen und dann eingeschickt. Ein negatives Ergebnis kommt per SMS. Im Fall eines positiven Ergebnisses erhalten die Nutzer eine SMS mit der Bitte um einen Rückruf. Pro Testvorgang zahlen Nutzer während der Pilotphase 32 Euro.

Bisherige Ergebnisse sprechen für sich

  • Seit Beginn des Pilotprojekts haben sich mehr als 300 Nutzer angemeldet.

  • 56% der Anwender sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).

  • 55% der Nutzer sind jünger als 35 Jahre.

  • 34% der Nutzer stammen aus strukturschwachen Regionen, wo Testangebote limitiert sind und oftmals Angst besteht, dass die notwendige Vertraulichkeit nicht gewährleistet ist.

  • 51% der Anwender geben an, vorher keine oder nur sehr unregelmäßig Tests gemacht zu haben.

  • Die Diagnoseraten sind hoch: Chlamydien 6,8%, Gonorrhoe (Tripper) 4,3%, Syphilis 1,8% und HIV 2,2%.

Die Möglichkeit zu Hause zu testen, senkt Hemmschwellen

„Diese Zahlen zeigen: Unser Angebot erreicht die Richtigen und motiviert zum Test auf HIV und Geschlechtskrankheiten. Das ermöglicht vielen Menschen eine frühe Diagnose und Behandlung. S.A.M leistet damit einen wichtigen Beitrag, um die zu hohe Zahl nicht entdeckter Infektionen zu reduzieren“, sagt Christopher Knoll von der Münchner Aids-Hilfe. Für Bayern steht bereits fest, dass der S.A.M-Heimtest nach dem Ende der Pilotphase im August 2019 fortgesetzt wird. Geprüft wird außerdem, ob das Testangebot auf andere Regionen ausweiten lässt. „S.A.M schließt Versorgungslücken und ist deswegen erfolgreich“, zieht Armin Schafberger von der Deutschen Aidshilfe Bilanz. „S.A.M zeigt dabei auch: Wer HIV-Tests ermöglichen will, muss die Bedürfnisse der jeweiligen Menschen ernst nehmen. Wir brauchen beim HIV-Test eine Vielfalt verschiedener Möglichkeiten – S.A.M wird hoffentlich ein fester Bestandteil davon.“