Pilotprogramm zur Präqualifizierung von Humaninsulin durch die WHO initiiert

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  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab am Weltdiabetestag (14. November) bekannt, dass es ein Pilotprogramm zur Präqualifizierung von Humaninsulin startet, um die Behandlung von Diabetes in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu verbessern.

Hintergrund

Mehr als 420 Millionen Menschen leben mit Diabetes. Diabetes ist die siebthäufigste Todesursache und eine Hauptursache für kostspielige Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Blindheit und Amputationen der unteren Extremitäten.

Menschen mit Typ-1-Diabetes benötigen Insulin, um zu überleben und ihren Blutzuckerspiegel zu stabilisieren, um so das Risiko von Komplikationen zu verringern.

Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen Insulin zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels, um Komplikationen zu vermeiden, wenn orale Arzneimittel bei fortschreitender Krankheit an Wirksamkeit verlieren. Ungefähr 65 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen Insulin, aber nur die Hälfte von ihnen hat Zugang zu Insulin, was hauptsächlich auf die hohen Preise zurückzuführen ist.

Das nun durch die WHO angekündigte Pilotprojekt zur Präqualifizierung von Insulin ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass jeder, der dieses lebensrettende Produkt benötigt, darauf zugreifen kann.

Die Präqualifikation von Insulin kann zu niedrigeren Preisen führen

Insulin wurde vor fast 100 Jahren zur Behandlung von Diabetes entdeckt und steht seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO.

Es wird erwartet, dass die Präqualifikation von Humaninsulin den Zugang für Patienten verbessert, indem der Strom qualitätsgesicherter Produkte auf dem internationalen Markt erhöht wird, was den Ländern eine größere Auswahl und den Patienten niedrigere Preise bietet.

In den meisten Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind die Insulinpreise trotz eines ausreichenden Angebots derzeit ein Hindernis für die Behandlung. Drei Hersteller kontrollieren den größten Teil des globalen Marktes für Insulin und setzen Preise fest, die für viele Menschen und Länder unerschwinglich sind.

Zugang zu Insulin ist in vielen Ländern eine Herausforderung

Von der WHO – in 24 Ländern auf vier Kontinenten – erhobene Daten (2016-2019) zeigten, dass Humaninsulin nur in 61 % der Gesundheitseinrichtungen verfügbar war. Die Daten wiesen auf, dass eine monatliche Insulinversorgung einen Arbeitnehmer in Accra (Ghana) 22 % seines Einkommens kostet.

 „Die Präqualifizierung von Produkten weiterer Unternehmen wird hoffentlich dazu beitragen, die Wettbewerbsbedingungen zu verbessern und eine stetigere Versorgung mit hochwertigem Insulin in allen Ländern sicherzustellen“, sagt Dr. Mariângela Simão, stellvertretende Generaldirektorin für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (WHO).

Die Präqualifikation von Insulin ist einer von mehreren Schritten, die die WHO im kommenden Jahr unternehmen wird, um die Diabetesbelastung zu beheben.

Derzeit laufen Pläne zur:

  • Aktualisierung der Leitlinien für die Behandlung von Diabetes,
  • Erarbeitung von Preissenkungsstrategien für Analoga,
  • Verbesserung der Verabreichungssysteme und des Zugangs zu Diagnosen.

Zudem arbeitet die WHO auch mit Ländern zusammen, um eine gesündere Ernährung und Bewegung zu fördern und das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken.

Finanzierung: WHO