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Pilot-Studie bestätigt das Potential des Hustenlösers Ambroxol als Anti-Parkinson-Wirkstoff

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp

Kernbotschaften

Der Hustenlöser Ambroxol hat in einer kleinen, nicht kontrollierten Studie Veränderungen bei zwei Proteinen bewirkt, die an der Genese der Parkinson-Krankheit beteiligt sind. Dabei wurden auch positive und signifikante Veränderungen auf der Motor-Skala UPDRS berichtet

Hintergrund

Mutationen im Gen für die Glucocerbrosidase (GBA1) sind der wichtigste Risikofaktor für die Parkinson´sche Krankheit. Als Ursache werden Ablagerungen der Proteins α-Synuklein diskutiert. Der Hustenlöser Ambroxol beeinflusst präklinischen Studien zufolge die Aktivität beziehungsweise Konzentration beider Moleküle. Die Autoren hofften deshalb darauf, dass Ambroxol pathologisch relevante Reaktionswege beeinflussen könnte.

Design

Unizentrische, offene und nicht kontrollierte klinische Studie am Leonard Wolfson Experimental Neuroscience Centre in London mit 18 Teilnehmern mit und ohne GBA1-Mutationen (davon 15 Männer) im durchschnittlichen Alter von 60,2 Jahren. Getestet werden sollte die Sicherheit und Verträglichkeit von Ambroxol (1,26 Gramm/täglich für 156 Tage nach Dosiseskalation bis Tag 28), sowie dessen Fähigkeit, in die Zerebrospinalflüssigkeit (CSF) zu gelangen und dort Veränderungen bei den Zielmolekülen ß-Glucocerbrosidase und α-Synuklein hervorzurufen.

Ergebnisse

  • Die CSF-Spiegel von Ambroxol erhöhten sich bis zum Tag 186 von Null auf durchschnittlich 156 ng/mL; das entsprach zu diesem Zeitpunkt 11 % der Blutspiegel.
  • Die Aktivität der ß-Glucocerbrosidase in der CSF verringerte sich um durchschnittlich 19 %.
  • Die Konzentration von α-Synuklein in der CSF erhöhte sich um 50 pg/mL (13%) und die der ß-Glucocerbrosidase um 88 ng/mol (35%).
  • All diese Änderungen waren statistisch signifikant, wobei die Medikation gut vertragen wurde und es zu keinen schweren Nebenwirkungen kam.
  • Die Autoren berichten auch über Veränderungen bei Teil 3 der Movement Disorders Society Unified Parkinson Disease Rating Scale (UPDRS), obwohl dies nicht zu den vorab definierten Zielwerten gehörte. Hier sah man eine Verbesserung um durchschnittlich 6,8 Punkte (95%-Konfidenzintervall – 10,4 bis – 3,1; P = 0,001), und zwar sowohl bei Patienten mit als auch ohne Mutationen im Glucocerbrosidase-Gen GBA1.

Klinische Bedeutung

Es handelt sich um eine unkontrollierte Pilotstudie mit kleiner Teilnehmerzahl, daher sind die positiven Veränderungen beim MDS-UPDRS Wert, Teil 3 mit Zurückhaltung zu betrachten. Die Studie legt aber nahe, dass Ambroxol sicher und gut verträglich ist, dass die Substanz in die Zerebrospinalfüssigkeit (CSF) gelangt und dort mit den gewünschten Zielstrukturen interagiert. Dass die α-Synuklein-Spiegel in der CSF sich erhöht haben, wird als positives Signal gedeutet und sollte nach Ansicht der Autoren Placebo-kontrollierte Studien nach sich ziehen, um herauszufinden, ob Ambroxol den natürlichen Verlauf der Parkinson-Krankheit beeinflussen kann.

Finanzierung: Cure Parkinson´s Disease Trust, Medical Research Council, Swedish Research Council, European Research Council, Swedish State Support for Clinical Research u.v.a.

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