Phlegmone und Erysipel: Vergebliche Suche nach dem besten Therapieregime

  • JAMA Dermatology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Eine Meta-Analyse mit 43 Studien scheitert daran, das effektivste Antibiotikum für die Therapie von Phlegmone zu finden. Die optimale Therapiedauer bleibt ebenfalls unklar, aber es gab begrenzte Hinweise darauf, dass die orale Gabe der intravenösen Route überlegen ist.

Hintergrund

Unter Experten gibt es keinen Konsens über die optimale antibiotische Behandlung von Phlegmone und Erysipel (Wundrose). Weder belegen die verfügbaren Studiendaten die Überlegenheit eines Wirkstoffes gegenüber anderen, noch gibt es umfängliche Daten zur Applikationsweise und Dauer der Anwendung.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse anhand von 11 Literaturdatenbanken nach randomisierten klinischen Studien, in denen verschiedene Antibiotika, Verabreichungsformen und die Behandlungsdauer verglichen wurden, inklusive den Referenzen der ursprünglich gefundenen Studien. Die Auswertung erfolgte mit der standardisierten Methode der Cochrane Collaboration. Primärer Endpunkt war der Anteil geheilter, verbesserter, erholter oder symptomfreier bzw. symptomreduzierter Patienten; sekundäres Studienziel waren die Nebenwirkungen.

Ergebnisse

  • In die Analyse wurden 43 Studien mit 5999 Patienten im Alter zwischen einem Monat und 96 Jahren aufgenommen.
  • Nur in 15 Studien war eine Phlegmone die Erstdiagnose, in den anderen Studien betrug der Anteil der Betroffenen median 29,7 %.
  • Die Forscher fanden keine Hinweise für die Überlegenheit eines spezifischen Antibiotikums – weder zwischen Penicillin und Cephalosporinen, noch zwischen älteren und neueren Cephalosporinen, Beta-Laktamen und Macroliden usw.
  • Antibiotika mit Aktivität gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) waren nicht wirksamer als andere.
  • Für den Nutzen intravenös verabreichter Antibiotika gegenüber oraler Gabe fanden die Wissenschaftler keine Belege, im Gegenteil waren Pillen wirksamer.
  • Eine Behandlungsdauer von mehr als 5 Tagen brachte keine Vorteile.

Klinische Bedeutung

Diese Meta-Analyse britischer Wissenschaftler ergibt zwar Hinweise darauf, welche Antibiotika und Behandlungsformen möglicherweise keinen zusätzlichen Vorteil bringen. Allerdings war die Qualität der meisten Studien gering und Daten über die Verträglichkeit waren oft nicht verfügbar. Unklar ist auch, ob die Erkenntnisse aus eher heterogenen Patientenpopulationen angesichts regional/national unterschiedlicher Resistenzproblematiken verallgemeinert werden können. Die Forscher selbst kommen deshalb zu dem Schluss, dass weitere Untersuchungen nötig wären, um das optimale Management von Phlegmonen und Erysipel zu definieren.

Finanzierung: eigene Mittel.