Phase-3-Daten zu neuem Orexin-Hemmer veröffentlicht

  • JAMA Network Open

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das neue Schlafmittel Lemborexant hat in einer Phase-3-Studie (Akronym SUNRISE 1) bei älteren Menschen besser gewirkt als ein Placebo und teilweise auch besser abgeschnitten als retardiertes Zolpidem. Die Verträglichkeit des dualen Orexin-Rezeptor-Antagonisten soll gut gewesen sein. In den USA ist das Medikament vor wenigen Tagen zugelassen worden.

Hintergrund

Schlafstörungen sind ein häufiges Problem älterer Menschen. Die Behandlung mit Medikamenten wie Benzodiazepinen, Z-Substanzen und sedierenden Antidepressiva ist allerdings nicht unbedenklich; diese Wirkstoffe können Stürze begünstigen, die kognitive Leistungsfähigkeit mindern und bei Therapie-Ende Entzugs-Symptome auslösen. Nach Alternativen ist daher lange gesucht wurden. Mit Suvorexant steht seit wenigen Jahren der erste Orexin-Hemmer zur Verfügung;  in den USA ist nun auch Lemborexant, ein ebenfalls gegen die Orexin-Rezeptoren 1 und 2 gerichteter Antagonist, für die Therapie bei Erwachsenen zugelassen worden. Eine für die Zulassung relevante Phase-3-Studie ist die SUNRISE-1-Studie. Solche Phase-3-Daten wurden im September 2019 beim „World Sleep Congress“ in Vancouver vorgestellt.

Design

Randomisierte und kontrollierte Studie der Phase 3, die zwischen Ende Mai 2016 und Ende Januar 2018 in 67 Kliniken in Nordamerika und Europa durchgeführt wurde. 1006 mindestens 55 Jahre alte Patienten mit Schlafstörungen erhielten einen Monat lang abends entweder Placebo (n = 208), 6,25 Milligramm retardiertes Zolpidemtratrat  (n = 263) oder Lemborexant. 266 Patienten bekamen fünf Milligramm des Orexin-Antagonisten, 269 die doppelte Dosis. 869 (86,4%) waren Frauen; das mediane Alter betrug 63 Jahre ( 55-88 Jahre).

Primärer Endpunkt war die Änderung der Zeitdauer bis zu einem anhaltenden Schlaf unter Placebo und dem Orexin-Hemmer. Sekundäre Endpunkte waren Schlafeffizienz und Wachliegezeit (engl.: wake after sleep onset, WASO) in der Placebo-Gruppe und in den Lemborexant-Gruppen. Der Orexin-Antagonist und Zolpidem wurden anhand des sekundären Endpunktes Wachliegezeit in der zweiten Nachthälfte miteinander verglichen. Ausgewertet wurden zudem Schlaftagebücher. 

Hauptergebnisse

  • Die meisten Teilnehmer mit dem Orexin-Hemmer schliefen nach Angaben der Autoren in weniger als 20 Minuten ein, was typisch für Menschen ohne Schlafstörung ist. 
  • Die polysomnografisch bestimmte LPS (log-transformed latency to persistent sleep) war in beiden Lemborexant-Gruppen signifikant kürzer als in der Placebo-Gruppe. 
  • Darüber hinaus schnitten die Lemborexant-Gruppen auch bei den sekundären Endpunkten besser ab als Placebo, und auch als Zolpidem.
  • Die subjektiven Berichte (Schlaftagebücher) über den Beginn des Schlafs und die Aufrechterhaltung des Schlafs stützten die polysomnografischen Befunde. 
  • Schläfrigkeit und Alpträume waren die einzigen unerwünschten Ereignisse, die bei 5% oder mehr der Probanden auftraten und unter dem Orexin-Hemmer doppelt so häufig waren wie unter Placebo. Todesfälle gab es keine; Suizidalität wurde nicht festgestellt. Auch laborchemisch und im EKG gab es keine Hinweise auf relevante unerwünschte Wirkungen. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der SUNRISE-1-Studie fallen zwar ebenso wie die der SUNRISE-2-Studie positiv für den Orexin-Hemmer aus; allerdings fehlen noch Daten zu bestimmten Patienten-Gruppen, etwa zu Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder kognitiven Störungen. Unklar ist auch, ob Lemborexant Vorteile hat gegenüber dem schon länger verfügbaren dualen Orexin-Rezeptor-Antagonisten Suvorexant. Darüber hinaus ist auch bei den Orexin-Hemmern wie bei Benzodiazepinen und Z-Präparaten mit Tagesschläfrigkeit zu rechnen. Insgesamt gilt auch für diese Substanzgruppe der Grundsatz, dass die Indikation streng zu stellen ist und die Kombination mit anderen zerebral wirkenden Medikamenten - wenn möglich - vermieden werden sollte. Dies gilt selbstverständlich auch für die Kombination mit alkoholischen Getränken.

Finanzierung: Eisai Inc.