Permanente Alopezie nach Strahlentherapie am Kopf: Minoxidil teilweise wirksam

  • JAMA Dermatology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die retrospektive Studie mit 71 Patienten, die nach einer Strahlentherapie am Kopf unter schwerer Alopezie litten, ergab eine Ansprechrate von 82 % für eine 5%-Lösung von topisch appliziertem Minoxidil.

Hintergrund

Zur spezifischen Therapie einer permanenten, durch Strahlentherapie bedingten, Alopezie (pRIA) liegen bisher kaum Forschungsarbeiten vor.

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit 71 Patienten, darunter ein Kind im medianen Alter von 27 Jahren und einem Frauenanteil von 72 %. Unter ihnen hatten 90 % wegen eines ZNS-Tumors eine Strahlentherapie erhalten, sowie 10 % Sarkome von Kopf und Nacken. Die Schwere der Alopezie wurde bei 56 % mit Grad 1 eingestuft; das Muster war in 54 % lokalisiert, in 24 % diffus, und bei 22 % gemischt.

Ergebnisse

  • Die mediane Strahlendosis auf der Kopfhaut wurde mit 39,6 Gy geschätzt; die Schwelle, bei der 50 % der Patienten eine schwere Alopezie (Grad 2) erlitten, betrug 36,1 Gy.
  • Höhere Dosen und Protonenstrahlung korrelierten mit einer schwereren Alopezie. Die Chancenverhältnisse OR betrugen dann 1,15 (95%-Konfidenzintervall 1,04 – 1,28) bzw. 5,7 (95%-KI 1,05 – 30,8) bei einem P von jeweils
  • Das prädominante trichoskopische Merkmal waren bei 16 von 28 Patienten weiße Stellen, und bei 15 Patienten korrelierte der Durchmesser des Haarschaftes negativ mit der empfangenen Dosis. Im Gegensatz dazu gab es keine statistisch signifikante Korrelation zwischen der Haardichte und der Strahlendosis.
  • 28 von 34 Patienten (82 %) sprachen bei einer medianen Nachverfolgungszeit von 61 Wochen auf 5 % topisch appliziertes Minoxidil an. Bei 4 von 25 Patienten (16 %) mit auswertbarem Bildmaterial verbesserte sich der Schweregrad der Alopezie. Zwei Patienten erhielten erfolgreich eine Haartransplantation und einer einen plastisch-chirurgischen Eingriff, der ebenfalls erfolgreich war.

Klinische Bedeutung

Die Untersuchung zeigt, dass anhaltender Haarverlust nach einer Strahlentherapie des Kopfes ein Dosis-abhängiges Phänomen mit distinkten klinischen und trichoskopische Merkmalen ist. Die gemessenen Erfolgsraten vor allem mit Minoxidil können einerseits als Anhaltspunkte für die Beratung der Patienten in dieser bislang schlecht untersuchten Indikation gelten. Andererseits werden sie möglicherweise randomisierte klinische Studien nach sich ziehen, welche die Therapie weiter verbessern könnten.

Finanzierung: National Institutes of Health, National Cancer Institute.