Perkutane Korrektur der Mitralklappe: kein belegter Nutzen bei sekundären Regurgitationen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der kathetergestützte Mitralklappen-Eingriff (zusätzlich zur konservativen Behandlung) hat bei herzinsuffizienten Patienten mit schweren sekundären Mitralklappen-Regurgitationen den Patienten nicht mehr genützt als die allein konservative Therapie.

Hintergrund

Kathetergestützte Klappen-Eingriffe sind bei einer Aortenstenose bereits Routineeingriffe. Perkutane Eingriffe an der Mitralklappe sind hingegen noch nicht ganz so weit. In der vorliegenden Studie MITRA-FR wurde untersucht, ob der perkutane Eingriff (MitraClip von Abbott) bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und schweren sekundären Mitralklappen-Regurgitationen den klinischen Verlauf positiv beeinflusst.

Design

Randomisierte Studie mit 304 herzinsuffizienten Patienten mit schweren sekundären Regurgitationen (Volumen über 30 ml pro Herzschlag) und einer linksventrikulären Auswurfleistung von 15 bis 40 Prozent. Die Patienten, die im Mittel rund 70 Jahre alt waren, wurden im Verhältnis von 1 zu 1 entweder der Interventionsgruppe (perkutaner Eingriff zusätzlich zur konservativen Therapie) zugeteilt oder der Vergleichsgruppe, in der rein konservativ behandelt wurde. Der primärer Endpunkt nach 12 Monaten bestand aus Gesamt-Sterberate oder ungeplantem Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz. 

Hauptergebnisse

Beim primären Endpunkt nach 12 Monaten gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Interventions- und Vergleichsgruppe. In der Gruppe mit dem perkutanen Klappen-Eingriff hatten 83 der 152 Patienten (54,6 Prozent) ein primäres Endpunkt-Ereignis, in der Vergleichsgruppe waren es 78 (51,3 Prozent). Auch beim Einzel-Parameter Gesamtmortalität gab es keinen signifikanten Unterschied (24,3 versus 22,4 Prozent). Dies galt auch für die Rate der ungeplanten Klinikaufenthalte (48,7 versus 47,4 Prozent).

Klinische Bedeutung

EIn Grund für den fehlenden Nutzen des minimal-invasiven Eingriffs könnte nach Angaben der Autoren sein, dass für den klinischen Verlauf die Kardiomyopathie entscheidend sei und die Regurgitationen nur eine Art Marker für die Schwere der Erkrankung seien. Ein weiterer Grund könnte sein, dass bei etwa einem Drittel der Patienten der Interventionsgruppe die Korrektur der Klappe nicht gut genug war, die Patienten daher noch etwas Regurgitationen hatten. Außerdem könne es sein, dass die Patienten bereits schwer krank gewesen seien, der minimal-invasive Eingriff  also zu spät vorgenommen worden sei. Allerdings hätten zuvor festgelegte Subgruppen-Analysen für diese Erklärungen keine Belege geliefert, berichten die Autoren. 

Möglicherweise sei die ingesamt gute, den Leitlinien-entsprechende pharmakologische Therapie der Grund für das enttäuschende Abschneiden der kathetergestützten Klappen-Korrektur gewesen. Nach Angaben der Autoren sollte in weiteren Studien geklärt werden, ob es bestimmte Subgruppen von Patienten gibt, die von einem solchen Eingriff profitieren könnten.

Finanzierung: Frankreichs Gesundheitsministerium und Abott Vascular