Peri- und Postmenopause: Erste S3-Leitlinie für Diagnostik und Intervention


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Für die Diagnose der Menopause sind im Allgemeinen keine Hormonbestimmungen notwendig, klinische Parameter reichen in der Regel aus.  Bei vasomotorischen Beschwerden wie Hitzewallungen können kognitive Verhaltenstherapie, Isoflavone und Cimicifuga-Präparate angewendet werden, sie haben ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil. Eine Hormonersatztherapie sollte nur bei eindeutiger Indikation im Sinne der neuen S3-Leitlinien und sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Hintergrund
Beschwerden, die auf das Klimakterium hinweisen können, sind häufig Thema ärztlicher Beratung von Patientinnen. Wie die Diagnostik erfolgen sollte und ob Interventionen sinnvoll sind, wurde in einer S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause unter Federführung der deutschsprachigen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe aufgearbeitet.

Design

  • S3-Leitlinie nach den Vorgaben der AWMF
  • Federführende Fachgesellschaften: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe,

Hauptergebnisse
Zur Diagnostik:

  • Die Peri- und Postmenopause bei über 45-jährigen Frauen sollen aufgrund klinischer Parameter diagnostiziert werden
  • Eine Bestimmung von Hormonspiegeln zur Diagnose der Peri- und Postmenopause soll nur bei Frauen zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr mit klimakterischen Symptomen wie Hitzewallungen und Zyklusveränderungen erfolgen und Frauen unter 40 Jahren mit Hinweisen auf vorzeitige Ovarialinsuffizienz.

Zur Therapie:

  • Frauen mit vasomotorischen Beschwerden des Klimakteriums wie Schweißausbrüchen und Hitzewallungen soll eine
    • Hormonersatztherapie (HRT) angeboten werden, nachdem sie über die kurz- (bis zu 5 Jahren) und langfristigen Nutzen und Risiken informiert wurden.
    • Für nichthysterektomierte Frauen kommt eine Östrogen-Gestagen-Behandlung mit adäquatem Gestagenanteil in Frage, für hysterektomierte Frauen eine Östrogentherapie.
  • Frauen mit symptomatischer urogenitaler Atrophie soll die Anwendung von Befeuchtungs-, Gleitmitteln alleine oder zusammen mit einer vaginalen ET angeboten werden. Wenn Östrogene vaginal angewendet werden, sind Östriol-haltige Präparate zu bevorzugen.
  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Clonidin und Gabapentin sollen nicht routinemäßig als Mittel erster Wahl gegen vasomotorische Symptome verordnet werden.
  • Bei Hitzewallungen ist ein Nutzen bei zugleich geringem Risiko für Schaden oder Therapieabbruch nachgewiesen für
    • Abwarten oder Placebo
    • Achtsamkeitstraining und
    • kognitive Verhaltenstherapie.
  • Ein möglicher Nutzen bei geringem Risiko besteht für
    • Cimicifuga 5–6,5 mg/Tag
    • Isoflavone 30-80mg/Tag inklusive Phytoöstrogen-reiche Ernährung
    • Rotklee
    • S-Equol
    • Genistein 30-60 mg/Tag,
    • Rheumrhapontikum
    • Johanniskraut 300 mg/Tag und
    • Akupunktur
  • Ein Nutzen mit mittlerem Risiko für Schaden oder Therapieabbruch ist belegt für
    • Östrogene und
    • Tibolon.
  • Ein Nutzen ist unwahrscheinlich bei nicht ausreichend untersuchtem Risiko bei
    • chinesischen Kräutern im Rahmen der TCM und für
    • Melatonin.

Klinische Bedeutung

Mit zunehmendem Alter können Störungen oder Erkrankungen auftreten, die auch sexualhormonabhängig sind. Patientinnen können evidenzbasierte Gesundheitsinformationen erwarten und eine Beratung, die Bedürfnisse, Ängste und Sorgen berücksichtigt. Durch eine Behandlung sollte es Aussicht auf eine Verbesserung der Lebensqualität geben . Qualitätskriterien dafür waren bereits vorhanden, in den Empfehlungen der neuen S3-Leitlinie sind sie aktuell aufgearbeitet.

Finanzierung: nach Angaben der Leitlinieninformation