Penicillinallergie oder nicht? Vier-Punkte-Regel zuverlässig für die Praxis

  • JAMA Intern Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Vier in der klinischen Praxis schnell zu erhebende Parameter helfen zu klären, ob die Angabe „Penicillinallergie“ eines Patienten wahrscheinlich zutrifft oder nicht. Die Parameter sind: Allergische Reaktion auf ein Penicillin in den letzten 5 Jahren, Angioödem oder anaphylaktische Reaktion, schwere Hautreaktion und medikamentöse Behandlung der allergischen Reaktion.

Hintergrund
Wenn in einer Krankenakte „Penicillinallergie“ vermerkt ist, werden häufig Medikamente aus der gesamten Substanzklasse der Betalaktame vermieden. Die anamnestischen Angaben basieren allerdings oft auf Erinnerungen von Patienten an Ereignisse, die weit zurückliegen, zum Beispiel in der Kindheit. Im Allgemeinen wird eine diagnostische Abklärung des spezifischen Allergens empfohlen, diese aber ist bei einer zeitnah erforderlichen Antibiotika-Behandlung nicht immer möglich. In einer prospektiven, diagnostischen Studie ist der PEN-FAST-Score auf Zuverlässigkeit und Praxistauglichkeit geprüft worden.

Design

  • multizentrische prospektive diagnostische Kohortenstudie zur Abschätzung des Risikos einer Penicillinallergie bei anamnestischen Hinweisen auf Basis einer
    • Diagnostikkohorte (n = 622) zur Bestimmung der wichtigsten Parameter und einer
    • Validierungskohorte (n = 945) zur Überprüfung der festgestellten Parameter.
  • Teilnahmevoraussetzungen: Penicillinallergie in der Anmanese
  • Diagnostik: Prick-Test, Reaktion auf intradermale Allergeninjektion oder auf ein Allergenpflaster und/oder Provokationstest über orale Allergengabe
  • Teilnahmeausschluss: kein oraler Provokationstest nach negativem Testergebnis möglich
  • Primärer Endpunkt: Positiver Allergentest

Hauptergebnisse

Vier in der klinischen Praxis schnell zu erhebende Parameter des 7-Punkte-Scores PEN-FAST helfen zu klären, ob die Angabe „Penicillinallergie“ eines Patienten wahrscheinlich zutrifft. Die Parameter sind:

  • Allergische Reaktion auf ein Penicillin in den letzten 5 Jahren (2 Punkte),
  • Angioödem oder anaphylaktische Reaktion (2 Punkte),
  • schwere Hautreaktion (2 Punkte) und
  • medikamentöse Behandlung der allergischen Reaktion (1 Punkt).

Bei 3 Punkten oder weniger im PEN-FAST-Score beträgt die Wahrscheinlichkeit 96,3 Prozent, dass der Patient keine klinisch relevanten allergischen Reaktionen auf Penicilline hat. Bei einem Cuf-off-Wert von 3 Punkten hatten nur 3,7 % der Patienten aus der Validierungskohorte, bei denen eine Penicillinallergie als unwahrscheinlich galt, in den umfangreichen Tests doch ein positives Ergebnis.

Klinische Bedeutung
Es ist bekannt, dass die anamnestischen Angaben zu einer Penicillinallergie häufig nicht zutreffen, weil Patienten sich falsch erinnern oder falsche Zurodnungen vornehmen, oder dass allergische Reaktionen nur schwach sind. Auch die Kreuzreaktivität von Penicillinen mit anderen Betalaktamen, vor allem Cephalosporinen der 2. und 3. Generation, wird bei der unspezifischen Angabe „Penicillinallergie“ häufig überschätzt, so dass statt einer optimalen Antibiose eine suboptimale Medikation gewählt wird. Der PEN-FAST-Score, so die Autoren, sei ein einfacher und zuverlässiger prädiktiver Score mit einem hohen negativen Vorhersagwert.

Finanzierung: public-private partnership