Pendler-Stress unter Schülern


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Nicht nur für Erwachsene beginnt der tägliche Stress im Stau, vollen Bussen und verspäteten Bahnen schon lange bevor sie an ihrem Schreibtisch sitzen: Auch Kinder und Jugendliche in Deutschland sind zunehmend vom Weg in die Schule gestresst.

Das Forschungszentrum Demografischer Wandel der Frankfurt University of Applied Sciences befragt jährlich rund 10.000 Schüler an etwa 150 Schulen in 14 Bundesländern. Im Rahmen einer Längsschnittstudie, gefördert von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, wurden im Schuljahr 2016/17 Schüler der 7. Jahrgangsstufe ausführlich nach ihrem Schulweg befragt und gebeten, anzugeben, welche Verkehrsmittel sie am Morgen der Befragung genutzt haben, um zur Schule zu kommen. Zudem wurden sie gefragt, wie lange sie mit diesen Verkehrsmitteln unterwegs gewesen sind.

Summiert man die Fahrtzeiten der verschiedenen Verkehrsmittel inklusive der Dauer des Fußwegs, so brauchten die Zwölf- oder Dreizehnjährigen im Schnitt 27 Minuten um am Morgen von ihrem Elternhaus zur Schule zu kommen. 30 Prozent der Kinder benötigen zwischen zehn und zwanzig Minuten in die Schule. 14 Prozent schaffen es in weniger als zehn Minuten. Rund 15 Prozent sind jedoch eine Dreiviertelstunde oder länger unterwegs.

„Interessant ist nun, dass Jugendliche, die einen langen Schulweg zurücklegen müssen, signifikant häufiger über mentale Gesundheitsprobleme klagen“, betont Prof. Dr. Andreas Klocke, vom Forschungszentrum. Über Konzentrationsprobleme tagsüber klagten nur 23 Prozent der Schüler mit einem kurzen Schulweg. aber über 29 Prozent der Schüler mit einem langen Schulweg. Kinder die zwei Mal am Tag lange unterwegs sind, gaben auch zu 43 Prozent an, mindestens an einem Tag pro Woche gereizt zu sein. Bei den Kindern mit dem kurzen Schulweg waren dies nur knapp 36 Prozent.

Die Zwölfjährigen, die einen kürzeren Schulweg zurücklegen müssen, sind im Mittel auch zufriedener mit ihrer eigenen Gesundheit. Während sie zu 82,7 Prozent ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut einschätzen, liegt der entsprechende Wert für Gleichaltrige, die 45 Minuten oder länger zur Schule brauchen, bei 77 Prozent.

Die Autoren der Studie plädieren dafür, bei Debatten über anstehende Schulschließungen auch das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen. „Das Thema Pendeln wird häufig allein auf die Gruppe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezogen“, so Dr. Sven Stadtmüller, Frankfurt. „Wir sollten aber bedenken, dass auch Schülerinnen und Schüler zum Teil sehr weite Wege zur Schule zurücklegen müssen. Dieser Anteil nimmt stetig zu, da immer mehr Schulen schließen und hierdurch die Schulwege für Kinder und Jugendliche weiter werden.“

Aber auch Eltern sollten vielleicht besser eher die nächstgelegene Schule für ihre Kinder wählen, statt eine Schule am anderen Ende der Stadt. Dann können ihre Kinder nämlich sehr oft den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Und Bewegung an der frischen Luft beugt Stress und Konzentrationsproblemen bekanntlich vor.