Patienten verstehen ihre Ärzte oft weniger gut als gedacht


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp

Kernbotschaften

Ärzte überschätzen vermutlich die Gesundheitskompetenz ihrer Patienten. Viele Patienten verstehen oft nicht, was ihre Ärzte ihnen zu vermitteln oder zu erklären versuchen. Selbst bei einer vereinfachten Terminologie mit Begriffen wie Darmspiegelung oder Sodbrennen ist Patienten nicht immer klar, was gemeint ist.

Hintergrund

Mangelnde Gesundheitskompetenz von Patienten ist ein generell großes Problem in der medizinischen Versorgung, wie bereits mehrere Studien gezeigt haben. Eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation ist daher von enormer Bedeutung, für den einzelnen Patienten und auch für das Gesundheitssystem.

Design

196 Patienten (38 % weiblich, 62 % männlich) in stationären Fachabteilungen eines Krankenhauses wurden mittels eines Fragebogens untersucht. Dieser enthielt 43 Fragen zu häufig im Alltag vorkommenden medizinischen Fachbegriffen. Untersucht wurden der subjektive und objektive Bekanntheitsgrad. Zusätzlich wurde eine Assoziation mit verschiedenen potenziellen Einflussfaktoren (u. a. Ausbildung, Versicherungsstatus, Konsum bestimmter Informationsmedien) durchgeführt.

Hauptergebnisse

  • Es gaben mehr Patienten an, die Bedeutung medizinischer Begriffe zu kennen, als dies bei objektiver Überprüfung der Fall war. 
  • Die Assoziation des medizinischen Kenntnisstandes mit verschiedenen Einflussfaktoren ergab, dass Frauen häufiger über korrektes medizinisches Wissen verfügten als Männer 
  • Bei alten Patienten war medizinische Kenntnisstand geringer als bei jungen Patienten (negative Korrelation zwischen Alter und Kenntnisstand).
  • Privat versicherte Patienten waren besser medizinisch gebildet als gesetzlich Versicherte. Männer mit eher mentaler Arbeit hatten einen besseren Kenntnisstand als solche mit körperlicher Arbeit. 
  • Zeitungs- und Fernsehkonsum sowie Zahl der Arztkontakte waren nicht mit dem medizinischen Kenntnisstand assoziiert.

Klinische Bedeutung

Ein hoher Bekanntheitsgrad medizinischer Begriffe kann den Autoren zufolge Ärzte im Gespräch mit Patienten dazu verleiten, das Verständnis dieser Begriffe auch von Seiten des Patienten vorauszusetzen. Ärzte sollten daher durch aktives Nachfragen das Verständnis sicherstellen. Erstautor Dr. Felix Gundling (Städtisches Klinikum München): „Je besser ein Patient über seine Erkrankung informiert ist, desto größer ist seine Kooperation bei entsprechender Behandlung.“ Nichtwissen habe aber nicht nur Folgen für das Wohl der Patienten, sondern auch auf die Versorgungskosten.

Finanzierung: keine Angaben