Patienten verlieren ihre Höhenangst in künstlicher Realität


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Ein automatisiertes Programm zur Therapie der Höhenangst in einer virtuellen Umgebung führt binnen kurzer Zeit zu erheblichen Verbesserungen. Dies zeigt auch das Potential dieser Technik, um Engpässen bei der Versorgung zu begegnen.

Hintergrund

Techniken, die die Simulation natürlicher oder künstlicher Umgebungen ermöglichen, haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Diese „virtuellen Realitäten“ (virtual reality, VR) werden zumeist spielerisch genutzt; sie sind aber auch als therapeutisches Umfeld vielversprechend, in dem automatisierte Reaktionen das Verhalten von Patienten beeinflussen könnten. Generell könnten mit diesem Ansatz Engpässe bei der Bereitstellung psychologischer Therapien gelindert werden.

Design

Die Forscher nutzen eine künstliche Person (Avatar), deren Bewegungen und Stimme von einem Schauspieler „geborgt“ wurden. In einer VR-Umgebung aus kommerziell erhältlichen Komponenten (Gaming-Computer, VR-Brille, Kopfhörer) absolvierten die Patienten binnen 2 Wochen 6 Sitzungen von je 30 Minuten Dauer unter Anleitung des Avatars. Dabei handelte es sich nicht um eine Expositionstherapie, sondern z.B. um den Versuch, den Patienten ihre irrationalen Ängste bewusst zu machen und um den Besuch eines zehnstöckigen Atriums, dessen Stockwerke unter Anleitung erkundet werden sollten. Die 100 Studienteilnehmer wurden randomisiert auf die VR-Intervention und auf „usual care“, was in diesem Fall keine Therapie bedeutete.

Hauptergebnisse

  • Die Höhenangst wurde zu Beginn und zum Ende der Therapie nach zwei Wochen mit dem Heights Interpretation Questionaire (HIQ) gemessen, sowie bei einem Follow-Up nach 4 Wochen. Der HIQ-Wert reicht mit ansteigender Höhenangst von 16 bis 80.
  • Nach einer durchschnittlichen Behandlungszeit von 124,43 Minuten reduzierte die VR-Therapie verringerte die Höhenangst im Vergleich zur Kontrollgruppe um 24,0 Punkte (95%-Konfidenzintervall -27,7 - - 20,3; p
  • Beim Follow-Up war der Nutzen mit – 24,3 Punkten praktisch unverändert.
  • Da sich bei 78 % der Patienten unter der VR-Therapie die Höhenangst gemäß HIQ um mindestens 50 % reduzierte, errechnen die Forscher eine „number needed to treat“ von 1,3 für eine Halbierung der Höhenangst.
  • Es wurden keine Nebenwirkungen berichtet.

Klinische Bedeutung

Zwar bietet die Studie keinen Vergleich zu einer konventionellen Therapie, und es wurde auch keine Probe auf´s Exempel in einer realen Umgebung gemacht. Die auf dem Papier erzielten Verbesserungen sind jedoch groß und wohl auch klinisch bedeutsam. Evidenz-basierte VR-Therapien hätten das Potential, die Verfügbarkeit von Behandlungen für geistige Erkrankungen stark zu verbessern, schlussfolgern die Autoren.

Finanzierung: Oxford VR, National Institute of Health Research.