Patienten mit Synkopen: generelles Screening auf Lungenembolie sinnvoll?

  • Journal of the American College of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Lungenembolien sind, einer Schweizer Studie zufolge, bei unselektierten Patienten, die sich wegen Synkopen in einer Notfallambulanz vorstellen, selten die Ursache der Synkopen. Ein generelles Screening auf Lungenembolie bei Patienten mit Synkopen scheint daher nicht sinnvoll zu sein - im Gegensatz zu einer gezielten Diagnostik bei klinisch gut begründeten Verdacht. 

Hintergrund

Die Prävalenz der Lungenembolie bei Patienten, die sich wegen Synkopen in einer Notfallambulanz vorstellen, ist relativ unbekannt und von vielen Faktoren wie Alter und Morbidität der Patienten abhängig. In einer italienischen Studie hatten 17 Prozent der 560 Patienten, die wegen einer ersten Synkope hospitalisiert waren, eine Lungenembolie (meist eine okkulte). Eine Kenntnis der Prävalenz ist notwendig, um beurteilen zu können, ob bei allen Patienten mit Synkopen ein Screening auf Lungenembolie sinnvoll wäre.

Design

Es wurden 1380 Synkopen-Patienten über einen Zeitraum von 360 Tagen beobachtet und 1156 Patienten über einen Zeitraum von 720 Tagen. Eine Lungenembolie-Diagnostik mittels bildgebender Verfahren wurde dann vorgenommen, wenn der klinische Verdacht (D-DimerTest, Wells score ) auf eine Lungenembolie bestand.

Hauptergebnisse 

  • Bei 19 von 1297 Patienten, die wegen einer Synkope die  Notfallambulanz aufgesucht hatten, wurde bei der Vorstellung eine Lungenembolie diagnostiziert (1,4%; CI: 0,87% - 2,11%). 
  • Die Inzidenz neuer Lungenembolien oder eines kardiovaskulären Todes betrug innerhalb der zweijährigen Beobachtungszeit zusammen 0,9 Prozent (95% CI: 0,5% -1,5%). Die Inzidenz allein der Lungenembolie betrug 0,6%, die eines kardiovaskulären Todes 0,3%.
  • In der Subgruppe der hospitalisierten Patienten wurde bei 2,3 Prozent eine Lungenembolie festgestellt  (95% CI: 1,4% - 3,7%). Die Inzidenz neuer Lungenembolien oder eines kardiovaskulären Todes betrug innerhalb der zweijährigen Beobachtungszeit auch bei diesen Patienten 0,9 Prozent (95% CI: 0,4% - 2,0%).

Klinische Bedeutung

Diese Ergebnisse sprechen nicht dafür, Synkopen-Patienten in der Notfallambulanz routinemäßig auf eine Lungenembolie zu screenen. Es ist jedoch unklar, ob die Ergebnisse auf Patienten in der allgemeinen ambulanten Versorgung extrapoliert werden können. Nicht auszuschließen ist nach Angaben der Autoren, dass die Prävalenz der Lungenembolie unterschätzt worden sei, etwa weil Patienten von der Studie ausgeschlossen wurden, die sich erst mehr als 12 Stunden nach Symptom-Beginn in der Klinik vorgestellt hatten. Zu bedenken ist zudem, dass Patienten mit Lungenembolie oft hämodynamisch instabil sind und eine rechtsventrikuläre Dysfunktion haben. Die vorliegende Studie beschränkte sich jedoch auf Patienten, die zum Zeitpunkt der Vorstellung in der Notfallambulanz hämodynamisch zumindest so stabil waren, dass sie das Dokument zum „Informed Consent“ unterschreiben konnten. Für ein höhere Embolie-Prävalenz bei Synkopen spricht die bereits genannte italienische Studie; die Patienten dieser Studie waren allerdings deutlich älter (im Mittel 80 Jahre versus 69) und hatten ein höheres Lungenembolie-Risiko.

Die Autoren der aktuellen Untersuchung halten bei Patienten mit Synkopen eine gezielte Diagnostik auf Lungenembolie für sinnvoll, etwa bei Patienten, die weitere Symptome einer Embolie haben, zum Beispiel Dyspnoe, einen Rechtsschenkelblock oder eine tiefe Beinvenenthrombose.  Bei Patienten mit erstmaliger Synkope seien eine klinische Untersuchung zur Einschätzung der Embolie-Wahrscheinlichkeit und ein D-Dimer-Test sinnvoll, so auch der US-Kardiologe Samuel Goldhaber in einem begleitenden Kommentar. In Abhängigkeit davon sollte dann über die Notwendigkeit einer weiterführenden bildgebenden Diagnostik entschieden werden.

Finanzierung: keine Angaben