Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie bleiben unter Glukokortikoiden länger mobil


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine große Langzeitstudie hat gezeigt, dass Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) klinische bedeutsame Meilensteine der Krankheitsprogression deutlich später erreichen, wenn sie über längere Zeit Glukokortikoide einnehmen. Bei drei dieser Meilensteine war der Wirkstoff Deflazacort den Substanzen Prednison und Prednisolon überlegen.

Hauptergebnisse

  • In der Gruppe der Patienten, die Glukokortikoide kumulativ mindestens ein Jahr lang bekommen hatten, verstrich für alle Meilensteine der Krankheitsprogression signifikant mehr Zeit, bis sie erreicht wurden (p
  • Im Vergleich zu Patienten, die keine bis maximal einen Monat kumulative Glukokortikoidbehandlung bekommen hatten, verzögerte sich das Erreichen von Meilensteinen der Krankheitsprogression unter langfristiger Einnahme von Glukokortikoiden folgendermaßen: Mobilitätsmeilensteine: 2,1 – 4,4 Jahre; Obere Extremitäten-Meilensteine: 2,8 – 8,0 Jahre.
  • Unter Deflazacort war das mediane Alter beim Erreichen dreier Meilensteine im Vergleich zu Prednison und Prednisolon 2,1 – 2,7 Jahre höher.
  • Im Studienverlauf starben 39 Patienten an DMD. In der Gruppe, die längerfristig Glukokortikoide erhalten hatte, waren es 9 %, in der Vergleichsgruppe 19 %, wobei die Signifikanz knapp verfehlt wurde (p=0,0501).

Design

  • Prospektive Kohortenstudie mit 440 männlichen Patienten mit Duchenn´scher Muskeldystrophie im Alter zwischen 2 und 28 Jahren und einem Follow-Up von 10 Jahren.
  • Vergleich von Behandlung mit kumulativ weniger als 1 Monat Glukokortikoiden versus mindestens einem Jahr in Bezug auf die Progression zu 9 krankheitsrelevanten Meilensteinen der Mobilität wie z.B. Aufstehen aus Rückenlage unter/ab 10 Sekunden, Bewältigung von 4 Stufen und Hand-zum-Mund-Funktion, sowie auf das Mortalitätsrisiko.
  • Finanzierung: US Department of Education, US Department of Defense, National Institutes of Health, Parent Project Muscular Dystrophy.

Klinische Bedeutung

Die Verabreichung von Glukokortikoiden in der Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie ist usus, die Evidenz dafür stammt jedoch überwiegend aus kurzfristig angelegten Studien. Im Gegensatz dazu hat die aktuelle Untersuchung einen Follow-Up von 10 Jahren und dürfte mit 440 rekrutierten Patienten aus 20 Zentren in 9 Ländern auch eine größten Kohortenstudien zur DMD überhaupt sein. Der Vergleich von kumulativ weniger als einem Monat Kortikoidbehandlung gegenüber mindestens einem Jahr kommt zu dem Schluss, dass diese Substanzklasse mit verzögerter Krankheitsprogression und verringertem Sterberisiko assoziiert ist. Eine Ursache-Wirkungsbeziehung ist plausibel. Als unvermeidliches Manko bleibt lediglich, dass die Behandlungsstandards sich während der Studie verändert haben und nur 16 % der Patienten ohne Kortikoide behandelt wurden. Dies schwächt die statistische Analyse und erhöht die Gefahr von Verzerrungen (Bias) durch die Patientenauswahl.