Patienten mit „Cyberchondrie“ für Ärzte ein zunehmendes Problem


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Medizinische Informationen im Internet können Patienten stark verunsichern und Ängste auslösen. Diese „Cyberchondrie“ kann das Arzt-Patienten-Verhältnis erheblich beeinträchtigen, so dass es ratsam ist, das Thema Online-Suche und Internet-Informationen aktiv mit Patienten zu besprechen.

Hintergrund

Viele Menschen, die Fragen zu Krankheiten oder Medikamenten haben, suchen im Internet - meist mit einer Suchmaschine - nach Antworten. Für Ärzte gehört es seit einigen Jahren schon zum Versorgungsalltag, dass Patienten sich vor und nach dem Praxisbesuch online medizinische Informationen beschaffen. Die Qualität und Seriosität dieser Internet-Informationen ist bekanntlich unterschiedlich. Einordnung und Beurteilung sind für medizinische Laien oft nur eingeschränkt möglich. Bei manchen Menschen können intensive Internet-Recherchen Gesundheitsängste auslösen oder verstärken und auch Diagnostik und Therapie beeinflussen. In der vorliegenden Studie wurden Hausärztinnen und Hausärzte nach ihren Einstellungen und Erfahrungen mit Patienten befragt, die vermehrt im Internet nach Symptomen, Krankheitsverläufen oder Therapien suchen. 

Design

Im Rahmen einer schriftlichen Befragung wurden zwischen dem 20. April und 20. Juni 2018 insgesamt 844 Allgemeinmediziner und hausärztlich tätige Internisten in Südhessen und zusätzlich in den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf, Kassel und der kreisfreien Stadt Kassel befragt. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen (46 %) und Ärzte (56 %) betrug 55 Jahre. 

Hauptergebnisse

  • Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass 15 % oder mehr der eigenen Patienten sie mit Ergebnissen eigener Internetrecherchen konfrontieren.
  • 73 % sehen das Aufkommen von internet-assoziierten Gesundheitsängsten als zunehmendes Problem in der Patientenversorgung. Es werden vor allem negative Auswirkungen der Online-Selbstinformation gesehen (psychische Stabilität, Erwartungen gegenüber dem Arzt). 
  • Jeder 5. Arzt (18 %) hat bereits den Abbruch eines Betreuungsverhältnisses aufgrund ausgeuferter Internet-Recherchen des Patienten erlebt.
  • Um auf verunsicherte oder verängstigte Patienten zu reagieren, bauen die Befragten auf eine ausführliche Erläuterung der Diagnose und/oder Therapie und empfehlen Internetseiten, die sie als seriös erachten.

Klinische Bedeutung

Es erscheint ratsam, die Online-Informationssuche aktiv im Patientengespräch zu thematisieren. Indem ein Arzt auf die Recherchen eines Patienten eingeht, kann er möglichen Verunsicherungen nicht nur besser vorbeugen, sondern signalisiert zugleich auch Wertschätzung. Beides komme der Patientenbindung zugute, so die Autoren der Umfrage. Entsprechend wäre darüber nachzudenken, die Anamnese um die Dimension der Online-Informationssuche zu erweitern.

Finanzierung: keine Angaben