Patienten mit Adipositas-assoziierten Malignomen werden in den USA immer jünger

  • JAMA Network Open

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Tumoren, für die eine Assoziation mit Adipositas als wahrscheinlich gilt wie Brustkrebs, kolorektale Karzinome, Gallenblasen-, Leber- und Magenkrebs, aber auch Myelomen, nimmt die Inzidenz in den jüngeren Altersgruppen der USA zu. Bei Malignomen ohne die Assoziation mit erhöhtem Körpergewicht dagegen besteht keine Verlagerung in jüngere Altersgruppen (1).

Hintergrund
Nach Analysen der International Agency for Research on Cancer besteht eine „ausreichende Evidenz“ dafür, dass es bei bestimmten Tumorentitäten eine Assoziation zu erhöhtem Körpergewicht gibt (2). Autoren einer im vergangenen Jahr publizierten Untersuchung schätzten, dass weltweit circa 4 % der Tumorerkrankungen auf einen erhöhten Body Mass Index (BMI > 25 kg/m2) zurückzuführen sind und 6 % auf die Kombination von Übergewicht und Diabetes (3). In einer Registerstudie sind US-amerikanische Forscher der Frage nachgegangen, ob diese Assoziation Auswirkungen auf das Erkrankungsalter haben könnte (1).

Design

  • Analyse aus dem Register Surveillance, Epidemiology, and End Results 18 (SEER18) der USA
  • Untersuchung der altersabhängigen Inzidenz für Malignome mit Diagnosen zwischen Januar 2000 und Dezember 2016
  • Differenzierung zwischen Adipositas-assoziierten Tumoren (obesity associated cancer; OAC) und Nicht-Adipositas-assoziierten Tumoren

Hauptergebnisse
13 Tumorentitäten, darunter Brust-, Ovarial- und gastroenterologische Karzinome, wurden als OAC kategorisiert. Daten aus dem SEER-Register wurden auf potenzielle Änderungen der Altersstrukturen bei 2.665.574 OAC-Diagnosen und bei 3.448.126 Nicht-OAC-Diagnosen untersucht. Das Ergebnis: Die Population der Kranken mit einem OAC nahm im Beobachtungszeitraum zwischen 2000 und 2016 in der Altersgruppe der 50- bis 64-jährigen um 51,8 % zu.

Die höchsten Anstiege der Inzidenz gab es unter den OAC bei Leber- und Schilddrüsenkarzinomen, und zwar unabhängig von Geschlecht und Ethnie. Unter den 50 bis 64 Jahre alten Frauen nahm die Häufigkeit von Uteruskarzinomen am stärksten zu, vor allem bei Frauen hispanischer Abstammung.

Klinische Bedeutung

Die Bedeutung von erhöhtem Körpergewicht für das Wachstum von Malignomen werde noch immer unterschätzt, so die Autoren der Studie, vor allem die Tatsache, dass bei einer Verlagerung einer Adipositas-Diagnose in jüngere Altersgruppen auch das Malignomrisiko für jüngere Menschen zunehme. Dies sollte Konsequenzen für die Prävention haben, auch bei der Betreuung von übergewichtigen Patienten im Hausarztbereich. Sie sind häufiger von Komorbiditäten wie Diabetes betroffen. Für Deutschland wird der Anteil der Malignome, die mit Diabetes plus erhöhtem BMI assoziiert sind, auf 6 % geschätzt (3). Damit könnten 29 640 von jährlich circa 494 000 Krebsneuerkrankungen in Deutschland auf die Kombination von Diabetes mit erhöhtem BMI zurückzuführen sein (Schätzung für 2018).

Finanzierung der SEER-Analyse: National Cancer Institute