Pathologische Glücksspieler: telefonische Beratung hilft


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Telefonische Beratungsangebote können pathologische Glücksspieler dazu bewegen, sich professionelle Hilfe gegen ihre Sucht-Erkrankung zu suchen. 

Hintergrund

Trotz erheblicher psychosozialer Folgen findet nur ein geringer Anteil der pathologischen Glücksspieler den Weg in die Beratung und Behandlung.

Seit Oktober 2007 bietet daher die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz (UM Mainz), eine bundesweite, kostenlose und auf Wunsch anonyme telefonische Beratung für Betroffene und Angehörige mit dem Schwerpunkt problematisches Glücksspiel- und Computerspiel-/Internetverhalten an. Ziele sind die niedrigschwellige Beratung und Vermittlung an weiterführende Beratungs- und Behandlungseinrichtungen in Wohnortnähe der Betroffenen. Das Angebot soll die Veränderungsmotivation und Inanspruchnahme weiterer Hilfsangebote fördern, wie die Autoren weiter erläutern. In Deutschland fehle es jedoch an Forschung zur Inanspruchnahme und den Effekten von Hotlines. In der vorliegenden Studie sollte die Frage beantwortet werden, ob telefonische Beratungsangebote dazu beitragen, Glücksspielsüchtigen den Weg in das Suchthilfesystem zu bahnen.

Design

Ausgewertet wurden alle Erstanrufe, die auf der Hotline Verhaltenssucht der Universitätsmedizin Mainz zwischen 2013 und 2016 aufgrund eines problematischen Glücksspielverhaltens eingingen. Insgesamt waren es 773 Anrufe. 

Hauptergebnisse 

89,0% der Betroffenen waren Männer. 79,7% nannten das Automatenspiel in Spielhallen als problemverursachend. 66,6% erhielten die Empfehlung für ein diagnostisches Erstgespräch in der Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz, davon vereinbarten 80,4% einen Termin, der von 81,3% wahrgenommen wurde. Männer nahmen den Termin signifikant häufiger wahr. Nur vereinzelte Anrufer erfuhren über Glücksspielanbieter von der Hotline.

Klinische Bedeutung

Hotlines tragen der Untersuchung nach dazu bei, Glücksspielsüchtigen den Weg in das Suchthilfesystem zu bahnen. Es besteht ein Defizit in der Vermittlung eines solchen Angebotes seitens der Glücksspielanbieter. Das Angebot einer Hotline für Problemspieler sollte in allen Spielstätten aktiver kommuniziert werden, raten die Autoren.

Finanzierung: Für die Untersuchung gab es nach Angaben der Autoren keine finanzielle Förderung. Die Hotline Verhaltenssucht der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz, wird durch Drittmittel von verschiedenen staatlich konzessionierten Glücksspielanbietern bezuschusst.