Parvoviren als Krebszellen-Killer

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Parvoviren können Krebszellen zerstören und werden bereits in einer ersten klinischen Studie als Therapie gegen Glioblastome erprobt. Um sich vermehren zu können, sind die Viren auf ein wichtiges Enzym in der Zelle angewiesen. Wissenschafter im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben herausgefunden, dass dafür ein selektiver Mechanismus zuständig ist, wie aus einem Artikel in "PLOS Pathogens" hervorgeht.

Um ihren Lebenszyklus in der Zelle zu vervollständigen und die nächste Virengeneration hervorzubringen, sind die Viren auf die Aktivität eines zellulären Enzyms (PDK1) angewiesen. Diese Kinase wirkt wie ein Hauptschalter für zahlreiche Zellfunktionen. Normalerweise wird sie von außen aktiviert, wenn Wachstumsfaktoren an die Zelle andocken.

Die Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass in Zellen von Mäusen das Virus die PDK1 über einen Wachstumsfaktor-unabhängigen, internen Weg aktivieren kann. Dabei hilft der Enzymkomplex PKCη/Rdx. Der überträgt eine Phosphatgruppe auf einen ganz bestimmten Baustein der PDK1 und aktiviert sie dadurch.

In normalen menschlichen Zellen dagegen gelingt es dem Virus nicht, PDK1 auf diesem alternativen Weg zu aktivieren. Wurden die Zellen in der Kulturschale jedoch mit dauerhaft aktiviertem PDK1 versehen, wurden sie empfänglich für die Virusinfektion und -vermehrung.

In Krebszellen des Glioblastoms wieder ist die Kinase von vornherein aktiv. In 36 Prozent von 70 untersuchten Glioblastom-Gewebeproben war die PDK1 bereits phosphoryliert und damit dauerhaft aktiviert.

"Für Krebszellen ist eine ständig aktivierte PDK1 biologisch sinnvoll, denn damit sind sie von Wachstumsfaktoren unabhängig. Das wiederum nützen die Parvoviren für ihre Zwecke aus", erläutert Studienleiter Jürg Nüesch. "Wir haben hier erstmals eine molekulare Ursache für die natürliche Selektivität gefunden. Und darüber hinaus haben wir mit der PDK1-Phosphorylierung einen Biomarker entdeckt, der uns vorhersagt, bei welchen Tumoren eine Parvovirus-Therapie überhaupt anschlagen kann."