Partielle Meniskektomie: Komplikationen selten, aber nicht unerheblich


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die arthroskopische Teil-Meniskektomie ist ein sehr komplikationsarmer Eingriff, schwere Komplikationen nach dem Eingriff sind selten. Gleichwohl kommt es immer wieder zu Lungenembolien und Infektionen, die eine chirurgische Therapie erforderlich machen. Aufgrund des diskutierten Nutzens des Eingriffs sollten bei der Indikationsstellung die seltenen, aber möglichen Komplikationen verstärkt berücksichtigt werden.

Hintergrund

Die arthroskopische partielle Meniskektomie ist weltweit eine der häufigsten orthopädischen Eingriffe. Über ihren langfristigen Nutzen wird immer wieder diskutiert, auch darüber, ob der Eingriff, der bei Meniskusdegeneration mit der Inzidenz von Arthrose und einem höheren Risiko ihrer Progression einhergeht, zu oft vorgenommen wird oder nicht.

Orthopäden der Universität von Oxford in Großbritannien haben nun versucht, die Häufigkeit von schweren Komplikationen nach partieller Meniskektomie zu ermitteln.

Design 

Ausgewertet wurden alle arthroskopischen partiellen Meniskektomien, die in England zwischen 1. 4. 1997 und 31.3. 2017 durchgeführt wurden. Bilaterale Eingriffe wurden ausgeschlossen. Ziel war, die Rate schwerer Komplikationen innerhalb von 90 Tagen nach dem Eingriff zu ermitteln. 

Primärer Endpunkt war das Auftreten mindestens einer ernsthaften Komplikation innerhalb dieses Zeitraums; als solche Komplikationen galten Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie, Infektionen, die einen chirurgischen Eingriff erforderlich machten, Fasziotomien, Nerven-Gefäß-Verletzungen und auch Tod. Die Autoren konnten knapp 700.000 Eingriffe auswerten.

Hauptergebnisse

  • Ernsthafte Komplikationen traten bei 0,317 Prozent der Patienten auf. Dazu zählten Lungenembolien (0,078%) und Infektionen, die chirurgisch behandelt werden mussten (0,135%). Höheres Alter und Multimorbidität gingen erwartungsgemäß mit einer erhöhten Komplikationsrate einher. Bei Frauen war diese vergleichsweise geringer. 
  • Sterbe-, Herzinfarkt- und Schlaganfallraten waren in der Studienpopulation geringer als in der Allgemeinbevölkerung. 
  • Chirurgisch zu behandelnde Infektionen und Lungenembolien waren dagegen in der Studienpopulation häufiger. Diese beiden Komplikationen traten - anders als Herzinfarkte und Todesfälle - im Laufe der Zeit auch nicht seltener auf, die Häufigkeit blieb konstant.
  • Nach den Berechnungen der Autoren könnte eine Lungenembolie vermieden werden, wenn auf 1390 arthroskopische Knie-Eingriffe verzichtet würde. Mit einem Verzicht auf 749 Eingriffe könnte ein Kniegelenks-Infekt verhindert werden.

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt, dass die arthroskopische partielle Meniskektomie ein komplikationsarmer Eingriff ist. Gleichwohl gibt es schwere Komplikationen wie Lungenembolien und Infektionen. Diese seien äußerst selten, sollten aber angesichts des nicht ausreichend geklärten Nutzens des Eingriffs bei der Indikationsstellung selbstverständlich mitberücksichtigt werden. 

Finanzierung: UK National Institute for Health Research.