Parkinson-Medikamente beeinflussen die Zusammensetzung der Darmflora

  • Weis S & al. Pressemeldung Hochschule Furthwangen
  • NPJ Parkinsons Dis

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

Das Darmmikrobiom ist bei Parkinson-Patienten gegenüber gesunden Probanden verändert. Die vorliegende Studie liefert Hinweise darauf, dass auch die Gabe von Parkinson-Mediamenten wie L-Dopa und Entacapon die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen.

Hintergrund

Parkinson-Patienten leiden häufig unter Funktionsstörungen des Magen-Darm-Trakts sowie Veränderungen des vegetativen Nervensystems, insbesondere im Bereich der Darmwand sowie des Darmwandnervensystems. Solche Veränderungen treten oftmals bereits Jahre vor den eigentlichen Parkinson-Symptomen auf. Bekannt ist außerdem, dass die Erkrankung mit Veränderungen der Darmflora assoziiert ist. Bislang ist allerdings unklar ob die Veränderungen in der Damflora eine Folge der Erkrankung sind oder ursächlich zu ihrer Entstehung beitragen. Die vorliegende Studie widmet sich der Frage, welchen Einfluss die Krankheit und welchen Einfluss der Medikation auf das Darm-Mikrobiom nimmt.

Studiendesign

Untersucht wurden Stuhlproben von 34 Parkinson-Patienten sowie von 25 gesunden Probanden. Bakterielle DNA aus dem Proben wurde sequenziert und analysiert.

Hauptergebnisse

  • Im Durchschnitt wurden 199.190 bakterielle DNA Sequenzen pro Probe analysiert (mindestens 70.225, maximal 394.784 Sequenzen)

  • In der Gruppe der Parkinson-Patienten wurde eine Abnahme in der Zahl der Bakterientaxa wie Faecalibacterium und Fusicatenibacter festgestellt, denen gesundheitsfördernde, anti-inflammatorische, neuroprotektive oder andere vorteilhafte Effekte auf die epitheliale Barriere des Verdauungstrakts zugeschrieben werden.

  • Bei Patienten, bei denen der Entzündungsmarker Calprotectinin den Stuhlproben erhöht war wurden, waren Faecalibacterium und Fusicatenibacter verringert.

  • Der Gehalt an Bakterien wie Peptoniphilus, Finegoldia, Faecalibacterium Fusicatenibacter, Anaerococcus, Bifidobacterium, Enterococcus, und Ruminococcus in den Proben war durch den Einfluss von L-Dopa beziehungsweise des COMT-Inhibitors Entacapon signifikant verändert.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Studie bestätigen den kürzlich beschriebenen Effekt einer Therapie mit COMT-Inhibitoren auf die Zusammensetzung der Darmflora. Darüber hinaus weist sie darauf hin, dass auch L-Dopa den Anteil mehrerer Bakterienarten in der Darmflora beeinflusst. „Vor kurzem hat eine These Furore gemacht: Bei der Entstehung von Parkinson könnte der Verdauungstrakt und das Darmmikrobiom eine wichtige, allerdings noch wenig verstandene Rolle spielen“, so Studienleiter Markus Egert, Hochschule Furtwangen. „ Sicherlich kann unsere Studie zur Klärung dieser Rolle beitragen und mittelfristig helfen, mikrobielle Stuhlanalytik als einen neuen Baustein der Parkinson-Diagnostik zu etablieren.“