Pandemisches Potenzial: Neues Corona-Virus ähnelt in Biologie und Manifestationsform dem SARS-Virus

  • Lancet, Nature, ECDC

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das neue Corona-Virus (2019-nCoV) gelangt ebenso wie das SARS-Corona-Virus über einen Rezeptor für das Angiotensin-Converting Enzym (ACE2-Rezeptor) in menschliche Zellen und kann sich dann rasch replizieren. Den aktuellen Infektionszahlen zu Folge steckt ein infizierter Patient 3 bis 5 weitere Personen an, dies kann schon in der Inkubationsphase von 2-14 Tagen geschehen. Die häufigsten klinischen Symptome einer 2019-nCoV-Infektion sind Fieber, Husten, Dyspnoe, Myalgie und Fatigue. Bei intensivpflichtigen Infizierten (ICU) korreliert eine hohe Zytokinausschüttung mit dem schweren Verlauf. Bei ICU-Patienten verlaufen derzeit 38 % der Erkrankungen tödlich.

Hintergrund

Das neue Corona-Virus 2019-nCoV breitet sich seit Dezember 2019 rasant in China aus, auch die Zahl der tödlichen Verläufe nimmt rasch zu. Eine globale Verbreitung wie die von SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome Virus), das im Jahr 2002 von China ausgehend rasch auf alle Kontinente getragen wurde, wird für 2019-nCoV nicht ausgeschlossen. Beide Krankheitserreger gehören zu den Beta-Corona-Viren. International arbeiten Forscher unter Hochdruck daran, genetische, epidemiologische und klinische Daten zu gewinnen, um der Ausbreitung entgegenzuwirken und Patienten mit schweren Verläufen besser behandeln zu können.

Design

  • Genanalysen von 2019-nCoV und In-Vitro-Untersuchungen zum Infektionsmechanismus

  • Zusammenstellung der klinischen Befunde von 41 hospitalisierten 2019-nCoV-Patienten (China)

Hauptergebnisse

2019-nCoV gelangt ebenso wie das SARS-Corona-Virus über den ACE2-Rezeptor in menschliche Zellen und kann sich dann rasch replizieren (1, 2) . Das Virus bindet sich über Spike-Proteine der Hülle an die ACE2-Rzeptoren der Wirtszelle. Diese Eintrittspforte begünstigt eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Die Reproduktionsrate in der aktuellen frühen Phase der Epidemie wird auf 1 : 3 bis 1 : 5 geschätzt. E in infizierter Patient steckt also im Durchschnitt 3 bis 5 weitere Personen an. Übertragungswege sind Körperflüssigkeiten (Speichel, Blut, Urin, Samenflüssigkeit) und Stuhl.

Die häufigsten Symptome einer 2019-nCoV sind Fieber (98 %; häufig > 39 °C), ein vorwiegend trockener Husten (76 %), Dyspnoe (55 %), Myalgie und Fatigue (44 %; [3] ). Meist weist d as CT auf eine atypische Pneumonie hin. Im Unterschied zu SARS-Infektionen sind bei 2019-nCoV- Infektionen Rhinorrhoe, Halsschmerzen und gastrointestinale Sympt o me wie Diarrhoe selten.

Schwere Verläufe der 2019-nCoV- Infektion korrelieren mit hohen Zytokinkonzentrationen im Plasma, d ennoch wird von Glukokortikoiden abgeraten. Die Letalität wird von den Autoren insgesamt derzeit auf 15 % geschätzt, bei der Untergruppe der intensivpflichtigen Patienten beträgt sie 38 % (3).

Klinische Bedeutung
Da der neuartige Virustyp noch nicht vollständig erforscht werden konnte, gibt es auch noch keine einheitliche Behandlungsempfehlung. Möglicherweise lassen sich wie einer SARS-Infektion nur Begleiterscheinungen der Erkrankung mildern. Das European Center for Disease Control and Prevention (ECDC) arbeitet an Falldefinitionen für Europa inklusive einer Antwort auf die Frage, wann auf 2019-nCoV getestet werden sollte (4). Die Risikoabschätzung für Flugreisende und Empfehlungen für das Verhalten auf Flugreisen orientieren sich an den Leitlinien für andere Beta-Corona-Viren (SARS, MERS).

Finanzierung: öffentliche Mittel