Ovarialkarzinom: Wöchentliche Chemotherapie mit niedrigerer Lebensqualität assoziiert

  • Lancet Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

In der bislang größten Studie zur wöchentlichen Behandlung des primären Ovarialkarzinoms hatten Frauen unter diesem Regime in den ersten 9 Monaten eine schlechtere Lebensqualität als Patientinnen, die nur alle 3 Wochen eine Chemotherapie erhielten.

Hintergrund

Die Studie JGOG-3016 fand bei japanischen Patientinnen mit epithelialen Ovarialkarzinomen unter einer Dosis-verdichteten Chemotherapie längere Überlebenszeiten ohne Nachteile bei der Lebensqualität. Bei den zumeist europäischen Patientinnen in der Studie ICON8 sah man jedoch kein verlängertes progressionsfreies Überleben, wenn sie statt alle 3 Wochen mit einer standardmäßigen Chemotherapie in einem wöchentlichen Rhythmus behandelt wurden. Begleitend zu dieser Studie wurde auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität erhoben, deren Ergebnisse hier vorgestellt werden.

Design

Offene, randomisierte, kontrollierte Studie der Phase 3 mit 3 Behandlungsarmen, für die in 117 Kliniken und 6 Ländern 1566 neu diagnostizierte Patientinnen rekrutiert wurden. Sie hatten histologisch bestätigte Karzinome des FIGO-Grades IC – IV und einen ECOG-Status von 0 – 2. Eine Operation erfolgte nach Maßgabe des behandelnden Arztes entweder unmittelbar oder später. Die Chemotherapie der 3 Gruppen bestand aus (AUC = area under the curve):

  1. Carboplatin AUC5 oder AUC6 plus Paclitaxel 175 mg/m2 jeweils i.v. alle 3 Wochen,
  2. Carboplatin AUC5 oder AUC6 alle 3 Wochen plus Paclitaxel 80 mg/m2 wöchentlich,
  3. Carboplatin AUC2 wöchentlich plus Paclitaxel 80 mg/m2 wöchentlich.

Co-primäre Endpunkte waren die Werte auf der Lebensqualitätsskala QLQ-30 der EORTC nach 9 Monaten und deren Durchschnittswert von der Randomisierung bis zu diesem Zeitpunkt.

Ergebnisse

  • Die Fragebögen zur Lebensqualität wurden anfänglich von 92 % der Frauen ausgefüllt, und von 69 % nach 9 Monaten.
  • Nach 9 Monaten gab es bei den Punktwerten keine signifikanten Unterschiede zwischen Gruppe 2 und Gruppe 1 (p = 0,095), und auch nicht zwischen Gruppe 3 und Gruppe 1 (p = 0,61).
  • In der Verlaufsanalyse waren die Durchschnittswerte für die wöchentliche Gabe von Paclitaxel signifikant schlechter. Der mittlere Unterschied zwischen Gruppe 2 und Gruppe 1 betrug – 1,8 Punkte (95%-Konfidenzintervall – 3,6 bis – 0,1; p = 0,043; zwischen Gruppe 3 und Gruppe 1 waren es – 2,9 Punkte (95%-KI – 4,7 bis – 1,1; p = 0,0018).

Klinische Bedeutung

Dass Frauen, die ihre Chemotherapie wöchentlich erhielten, im Verlauf der Therapie durchschnittlich eine schlechtere Lebensqualität hatten, war zu erwarten. Sie haben davon andererseits aber von der Dosis-verdichteten Behandlung keinen Vorteil beim progressionsfreien Überleben. Die Patientinnen werden noch weiter nachverfolgt, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings keine Hinweise, die ein wöchentliches Therapieregime unterstützen würden.

Finanzierung: Cancer Research UK, Medical Research Council, Health Research Board Ireland, Irish Cancer Society, und Cancer Australia.