Osteoporose: Auch in Deutschland zu selten erkannt und häufig untertherapiert

  • International Osteoporosis Foundation (IOF)

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht der International Osteoporosis Foundation (IOF) wurde die persönliche und gesellschaftliche Belastung durch Osteoporose in sechs europäischen Ländern untersucht. Dabei wurde eine massive Unterversorgung betroffener Personen festgestellt. So wurde gezeigt, dass 85 % der Frauen, die an einem Osteoporose-Knochenbruch leiden, keine Behandlung erhalten, um sie vor weiteren möglicherweise lebensverändernden Frakturen zu schützen. Die Folge sind massive Folgekosten für das europäische Gesundheitssystem.

Hintergrund

Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der die Knochensubstanz verstärkt abgebaut wird. Dadurch werden die Knochen immer instabiler und brüchiger, sodass kleine Stöße oder Stürze zu einem Knochenbruch führen können. Diese Knochenbrüche werden Fragilitätsfrakturen genannt. Weltweit hat jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 50 Jahren eine Fraktur aufgrund von Osteoporose.

"Gebrochene Knochen, gebrochene Leben“

Der IOF-Bericht "Gebrochene Knochen, gebrochene Leben: Eine Roadmap zur Lösung der Fragilitätsbruchkrise in Europa" zeigt, dass in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich etwa 60 bis 85 % der Frauen im Alter von über 50 Jahren oder älter eine Fragilitätsfraktur aufwiesen, die auf die Stoffwechselerkrankung Osteoporose zurückzuführen war.  

In dem Bericht wird festgestellt, dass 2017 in den sechs europäischen Ländern etwa 2,7 Millionen Bruchfrakturen aufgetreten sind. Dabei wird prognostiziert, dass die Anzahl der Frakturen bis 2030 voraussichtlich um 23 % zunehmen wird.

Hat ein Patient einmal eine Fragilitätsfrakture gehabt, erleidet sie fünfmal häufiger eine zweite Fraktur innerhalb der nächsten zwei Jahre. Ohne eine Behandlung zur Stärkung der Knochen sind sie anfällig für einen Zyklus von mehr Frakturen, Schmerzen und kostspieligen Behandlungskosten. Insbesondere Hüftfrakturen zählen hierbei zu den schwerwiegendsten Frakturen, die sehr oft zu Behinderungen führen, die sich auf die Lebensqualität und Unabhängigkeit auswirken.   

Ein Jahr nach einer Hüftfraktur können 40 % der Patienten immer noch nicht selbständig gehen, und 80 % sind bei anderen täglichen Aktivitäten wie zum Beispiel beim Autofahren und Lebensmitteleinkauf eingeschränkt.

Die mit Fragilitätsfrakturen verbundenen Kosten sind enorm. So werden in den sechs untersuchten europäischen Ländern die Kosten auf rund 37,5 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt. Angesichts der Bevölkerungsalterung dürften die Kosten bis 2030 um bis zu 27 % steigen.

IOF-Forderungen an die Gesundheitsbehörden

Der IOF-Bericht fordert politische Lösungen, die an die individuellen Besonderheiten des Gesundheitssystems eines Landes angepasst sind. Als Beispiel wird das Versorgungsmodell Fracture Liaison Services genannt, welches sich als kostengünstige Möglichkeit bewährt hat, um Frakturen zu reduzieren und damit die Belastung für Einzelpersonen und den Gesundheitsdienstleister zu reduzieren.