Oraler GL-P-1-Agonist erweist sich als sicher für Herz und Gefäße

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine orale Applikationsform des GL-P-1-Rezeptoragonisten Semaglutid ist einer kardiovaskulären Endpunkt-Studie zufolge für Herz und Gefäße ebenso sicher wie ein Scheinmedikament. Der Wirkstoff ist für die subkutane Applikation bereits auf dem Markt, für das oral applizierbare Antidiabetikum sollen die Zulassungsanträge bei der FDA und EMA eingereicht worden seien.

Hintergrund

Seit rund zehn Jahren muss für neue Antidiabetika die kardiovaskuläre Sicherheit belegt werden. Dazu wurden Endpunkt-Studien gestartet, die primär auf den Nachweis der „Nicht-Unterlegenheit“ des Prüfpräparates im Vergleich zu Placebo beim primären kardiovaskulären Endpunkt angelegt waren. Für einige neue Antidiabetika liegen inzwischen sogar Belege vor, dass sie vor kardiovaskulären Komplikationen einschließlich Tod schützen können. Nachdem für die subkutane Applikationsform von Semaglutid in der SUSTAIN-6-Studie  die kardiovaskuläre Sicherheit und Wirksamkeit belegt worden war, ging es nun um die Sicherheit der oralen Applikationsform. berechnet wurden unter anderem die Inzidenzraten pro 100 Personenjahre und die Hazard Ratio. 

Design

Internationale Multizenter-Studie mit knapp 3200 Typ-2-Diabetes-Patienten im medianen Alter von 66 Jahren. Es handelte sich um eine kardiovaskuläre Hochrisiko-Population: Fast alle Teilnehmer - 85 Prozent - hatten eine positive Anamnese auf kardiovaskuläre Erkrankungen bzw. Komplikationen. 15 Prozent hatten mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor. Patienten mit diabetischer Retinopathie waren ausgeschlossen, da in der SUSTAIN-6-Studie bei Patienten mit dem subkutan applizierten Semaglutid vermehrt Retinopathien aufgetreten waren. Zusätzlich zu einer Standard-Therapie bei Diabetes und kardiovaskulären  Erkrankungen erhielten die Patienten der Verum-Gruppe (n = 1591) oral Semaglutid, die Patienten der Kontroll-Gruppe ein Placebo (n = 1592). Die Beobachtungszeit betrug im Mittel 15,9 Monate. Der primäre kombinierte Endpunkt setzte sich zusammen aus den kardiovaskulären Ereignissen: Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod. Angelegt war die Studie auf den Nachweis der Nicht-Unterlegenheit von oralem Semaglutid beim primären Endpunkt.

Hauptergebnisse

  • Der Nachweis der Nicht-Unterlegenheit wurde erbracht: In der Verum-Gruppe trat bei 3,8 Prozent der Patienten ein primäres Endpunkt-Ereignis auf, in der Placebo-Gruppe bei 4,8 Prozent. Die Inzidenzraten pro 100 Personenjahre betrugen 2,9 und 3,7 (Hazard Ratio 0,79, 95% CI 0,57 - 1,11). 
  • Signifikant reduziert wurde die Rate kardiovaskulärer Todesfälle mit 0,9 versus 1,9 Prozent. Die Inzidenzraten betrugen 0,7 und 1,4  (Hazard Ratio 0,49, 95% 0,27 - 0,92 ). 
  • Auch die Zahl der Gesamttodesfälle war mit 1,4 Prozent im Vergleich zu 2,8 Prozent in der Verum-Gruppe niedriger (Inzidenzraten 1,1 versus 2,2; Hazard Ratio 0,51; 0,31-0,84). 
  • Bei den nicht-tödlichen Myokardinfarkten schnitten die Patienten mit Semaglutid etwas schlechter ab als die Patienten der Kontroll-Gruppe (2,3 versus 1,9 Prozent; Inzidenzraten 1,8 und 1,5; Hazard Ratio 1,18; 0,73-1,90). Etwas geringer war in der Verum-Gruppe die Rate der nicht-tödlichen Schlaganfälle (0,8 versus 1,0 %; Inzidenzraten 0,6 und 0,8; Hazard Ratio 0,74; 0,35-1,57). 
  • Schwere Hypoglykämien gab es in der Semaglutid-Gruppe bei 1,4 Prozent der Patienten, in der Placebo-Gruppe bei 0,8 Prozent. Gastrointestinale Nebenwirkungen führten bei knapp 12 Prozent der Patienten mit Semaglutid zu einem vorzeitigen Abbruch der Studienteilnahme, in der Placebo-Gruppe betrug der Anteil 6,5 Prozent. 

Klinische Bedeutung

Das Ergebnis zur kardiovaskulären Sicherheit des oral verabreichten Antidiabetikums hat angesichts der Ergebnisse zum subkutan applizierbaren Semaglutid kaum überrascht. Vermutlich wird die orale Applikationsform von Patienten als angenehmer empfunden als die zu injizierende, auch wenn die Injektion nur wöchentlich notwendig ist. Als Pluspunkt kann zudem die Gewichtsreduktion gelten, die auch unter dem oralen GLP-1-Agonisten auftrat. Welchen Stellenwert die Semaglutid-Tablette im klinischen Alltag haben wird, kann derzeit allerdings noch nicht gesagt werden; ein entscheidender Faktor wird hier ebenso wie bei anderen modernen Antidiabetika und neuen Medikamenten der Preis in Relation zum Nutzen sein. 

Finanzierung: Novo Nordisk