Opioidbedarf bei Patienten mit muskuloskelettalen Schmerzen sinkt nach früher Physiotherapie


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten, die wegen starker muskuloskelettaler Schmerzen mindestes eine Opioidverschreibung erhielten, reduzierte sich mit einer frühzeitigen Physiotherapie der Verbrauch an Opioiden in den folgenden 9 Monaten um annähernd 10 Prozent.

Hintergrund

Die Überverschreibung von Opioiden und deren missbräuchlicher Gebrauch haben, zumindest in den USA, epidemische Ausmaße erreicht. Nichtpharmakologische Alternativen gewinnen damit an Bedeutung und wurden hier in Form der Physiotherapie bei Patienten mit Muskel-, Gelenk- und Skelettschmerzen untersucht.

Design

Querschnittsuntersuchung Anhand der Daten von 88.985 Opioid-naiven Privatversicherten zwischen 18 und 64 Jahren, die zwischen den Jahren 2008 und 2014 mit muskuloskelettalen Schmerzen in Schultern, Nacken, Knie oder Rücken in US-amerikanischen Ambulanzen und Notaufnahmen diagnostiziert wurden. Um die Analyse auf Patienten mit starken Schmerzen zu begrenzen, musste die Diagnose innerhalb 30 Tagen bestätigt werden und innerhalb von 90 Tagen mindestens eine Opioid-Verschreibung vorliegen. Studienziel war der Gebrauch von Opioiden im Zeitraum zwischen 91 und 365 Tagen nach der Diagnose in Abhängigkeit davon, ob die Patienten eine frühzeitige Physiotherapie erhalten hatten.

Hauptergebnisse

  • Etwas weniger als ein Drittel der Patienten (29,3 %, n=26.096) hatte frühzeitig eine Physiotherapie erhalten.
  • Nach Adjustierung für mögliche verzerrende Faktoren fand sich eine statistisch signifikante Reduktion in der Inzidenz des Opiat-Gebrauches nach früher Physiotherapie, und zwar bei Patienten mit:
    • Schulterschmerzen – Chancenverhältnis OR 0,85; 95%; Konfidenzintervall 0,77 – 0,95; P =0,003.
    • Nackenschmerzen OR 0,92; 95%KI 0,85 – 0,99; P=0,03
    • Knieschmerzen OR 0,84; 95%-KI 0,77 – 0,91; P
    • Rückenschmerzen (Lumbalgie) OR 0,93; 95%KI 0,88 – 0,98; P=0,004
    • Der Opiod-Gebrauch, gemessen in Milligramm Morphin-Äquivalenten reduzierte sich über alle Gruppen um etwa 10 %. Im Einzelnen waren es bei Schulterschmerzen -9,7 % (P=0,03), Knieschmerzen – 10,3 % (P=0,07) und Lumbalgien -5,1% (P=0,046). Lediglich bei Nackenschmerzen (-3,8%) wurde die Signifikanz mit P=0,30 verfehlt.

Klinische Bedeutung

Eine frühzeitige Physiotherapie könnte bei Patienten mit muskuloskelettalen Schmerzen sowohl als Ergänzung als auch Ersatz für die kurzfristige Verschreibung von Opioiden erwogen werden, so die Autoren. Auch wenn der Unterschied „nur“ 10 Prozent betrug, so könne doch das Risiko für einen längerfristigen Opioid-Gebrauch mit dieser Strategie reduziert werden. Mangels detaillierter Angaben können die Autoren aber leider keine Angaben zum Effekt der Art und Frequenz der Physiotherapie machen.

Finanzierung: National Institute on Drug Abuse, National Center for Complementary and Integrative Health, NIH National Center for Advancing Translational Science, Stanford University School of Medicine.