Opiate lindern Arthrose- und Rückenschmerzen nicht besser als andere Analgetika


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei chronischen Rückenschmerzen sowie bei Hüft- oder Kniearthrose wirken Opioide auf die Schmerz-verwandte Funktion nicht besser als andere Substanzklassen. Die Schmerzintensität wurde durch Nicht-Opioide sogar signifikant stärker gelindert, außerdem hatten andere Schmerzmittel wie Acetaminophen oder nicht-steroidale Substanzen weniger Nebenwirkungen.

Hauptergebnisse

  • Zwischen den Patientengruppen, die Opioide bzw. Nicht-Opioide erhielten, gab es nach 12 Monaten bezüglich der Schmerz-verwandten Funktion keinen signifikanten Unterschied (P=0,58) Die Werte lagen auf der zehn Punkte umfassenden BPI-Interenzskala bei 3,4 bzw. 3,3.
  • Bei der Schmerzintensität auf der BPI-Skala ging es den Patienten, die nicht-opioide Medikamente erhalten hatten, nach 12 Monaten signifikant besser (P=0,03). Hier betrugen die Werte 4,0 (Opioide) bzw. 3,5 (Nicht-Opioide).
  • Arzneimittel-bedingte Symptome traten unter Opioiden im Verlauf von 12 Monaten signifikant häufiger auf (P=0,03), der Mittelwert lag hier bei 1,8 gegenüber 0,9 für nicht-opioide Arzneien.

Design

  • Randomisierte Studie mit verblindeter Auswertung der Ergebnisse bei 240 US-Veteranen im mittleren Alter von 58,3 Jahren, die trotz Analgetika-Gebrauch unter moderaten bis schweren chronischen Rückenschmerzen oder Osteoarthrose-bedingten Schmerzen der Hüften und der Knie litten.
  • Zielgerichtete Behandlung zur Linderung der Schmerzen und Verbesserung der Funktion mit unterschiedlichen 3-stufigen Verschreibungsstrategien: In der Opiod-Gruppe war der erste Schritt Morphin, Oxycodon oder Hydrocodon/Acetaminophen, in der Nicht-Opiod-Gruppe stattdessen Acetaminophen oder eine nichtsteroidale antiinflammatorische Substanz (NSAID). Bei Bedarf wurden Arzneien aus der jeweiligen Gruppe abhängig von der Reaktion der Patienten geändert, hinzugefügt oder in der Dosis angepasst.
  • Hauptziel der Studie war die Schmerz-verwandte Funktion (Brief Pain Inventory interference Scale) über 12 Monate, das zweitwichtigste Zielkriterium die Schmerzintensität, jeweils gemessen auf einer Skala von Skala 0 – 10 (höhere Werte bedeuten schlechtere Funktion/größere Schmerzen). Ebenfalls erfasst wurden die Arzneimittel-bedingten Symptome anhand einer 19-teiligen Checkliste, die von den Patienten ausgefüllt wurde.
  • Finanzierung: US Department of Veterans Affairs Health Services Research and Development Service.

Klinische Bedeutung

Sind Opioide notwendig, um chronische Rückenschmerzen und Schmerzen durch Osteoarthrose der Hüfte und der Knie erfolgreich behandeln, oder lassen sich mit Alternativen wie Acetaminophen und NSAID ähnlich gute Ergebnisse erzielen? Angesichts einer wahren Epidemie von Opioidabhängigkeit, die sich derzeit in den USA ausbreitet, ist dies eine Frage von erheblicher Praxisrelevanz. Die Studienergebnisse beantworten die Frage recht eindeutig: Opioide erzielten gegenüber Nicht-Opioiden im Zeitraum von 12 Monaten keine bessere Schmerzlinderung. Die Autoren raten deshalb davon ab, eine Therapie in den genannten Indikationen mit Opioiden zu beginnen. Als Reservemedikamente aber seien sie nicht auszuschließen.