Ophthalmologie: Ein Drittel der S. aureus-Isolate in den USA sind Methicillin-resistent

  • JAMA Ophthalmology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Querschnittsstudie erfasst die Häufigkeit und die Trends bei Antibiotika-resistenten Infektionen des Auges in den USA. Sie zeigt eine hohe Rate von Methicillin-Resistenzen bei S. aureus-Isolaten und Koagulase-negativen Staphylokokken sowie einen leichten Rückgang der Zahlen im 10-jährigen Beobachtungszeitraum.

Hintergrund

Die erfolgreiche Behandlung von Infektionen des Auges hängt auch davon ab, ob die Erreger Resistenzen gegen Antibiotika haben und gegen welche Wirkstoffe sie in welchem Umfang immun sind. Daten aus Überwachungsprogrammen sollten daher in die Therapieentscheidungen mit einfließen.

Design

Prospektive Langzeitquerschnittsstudie aus den USA anhand von Labordaten aus der Studie ARMOR (Antibiotic Resistance Monitoring in Ocular Microorganisms). Eingeschlossen wurden klinisch relevante Isolate von Staphylococcus aureus, Koagulase-negativen Staphylokokken (CoNS), Streptococcus pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa, und Haemophilus influenzae, die bei Patienten mit Augeninfektionen in US-amerikanischen Zentren zwischen den Jahren 2009 bis einschließlich 2018 isoliert wurden.

Ergebnisse

  • Aus 88 Zentren wurden Isolate von 6091 Patienten berichtet. Dabei handelte es sich um:
    • 2189 Mal Staphylococcus aureus
    • 1765 Mal CoNS
    • 590 Mal Streptococcus pneumoniae
    • 767 Mal Pseudomonas aeruginosa und
    • 780 Mal Haemophilus influenzae
  • Methicillin-resistent waren 34,9 % der S. aureus-Isolate und 49,3 % der CoNS. Bei S. aureus zeigte sich eine deutliche Zunahme dieser Resistenzen mit dem Lebensalter.
  • In dieser Gruppe waren die Resistenzen gegenüber anderen Antibiotika im Vergleich zu Methicillin-suszeptiblen Mikroben deutlich erhöht, und hatten folgende Chancenverhältnisse OR (P jeweils
  • Für Macrolide: Azithromycin bei S. aureus OR 18,34 und bei CoNS 4,59
  • Für Fluorquinone: Ciprofloxacin bei S. aureus 22,61 und bei CoNS 9,73
  • für Aminoglykoside: Tobramycin bei S. aureus 18,29 und CoNS 6,28
  • Etwa 75 % der Methicillin-resistenten S. aureus und CoNS waren multiresistent.
  • P aeruginosa und H influenzae zeigten wenig Resistenzen, bei S pneumoniae waren 36,3 % der Isolate resistent gegen Azithromycin.
  • Insgesamt nahmen die Resistenzen im Beobachtungszeitraum leicht ab, und zwar um maximal 2,5 % / Jahr. Hervorgehoben wurde das Antibiotikum Besifloxcin, dessen minimale inhibitorische Konzentrationen durchgehend niedrig blieben.
  • Bedeutung

    Der Lagebericht zu Resistenzen bei Augeninfektionen konstatiert weiterhin hohe Raten von Methicillin-Resistenzen und Multiresistenzen unter S. aureus und CoNS-Isolaten. Erstere haben möglicherweise in den vergangenen Jahren etwas abgenommen, bei Multiresistenzen bleibt die Lage insbesondere bei Staphylokokken angespannt. Die Fülle der erhobenen Daten wird für US-amerikanische Ophthalmologen hilfreich sein, sie sind aber nicht ohne weiteres übertragbar. Zur Klärung der Situation wären ähnliche Studien für Deutschland bzw. Europa wünschenswert.

    Finanzierung: Bausch + Lomb.