Operationen bei Hämodialysepatienten: Abstand von einem Tag zur Blutwäsche ist am günstigsten

  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit terminalem Nierenversagen ist das Timing zwischen Operation und Hämodialyse wichtig: Beträgt der Abstand zwischen chirurgischem Eingriff und der letzten Dialyse mehr als 48 Stunden, steigt die 90-Tage-Sterblichkeit, vor allem aus kardialer Ursache. Auch wenn die Unterschiede vergleichsweise gering sind, sollte bei elektiven Eingriffen möglichst ein zeitlicher Abstand zur Dialyse von zwei Tagen nicht überschritten werden.

Hintergrund

Hämodialysepatienten erhalten in der Regel drei Mal pro Woche eine künstliche Blutwäsche, die Sitzungen dauern im Allgemeinen 4 bis 5 Stunden. Die Dialyse ist anstrengend für die Patienten, sie fühlen sich am Ende der zweieinhalb bis dreitägigen Pause häufig am wohlsten. 60 bis 72 Stunden nach der letzten Dialysesitzung allerdings steigt das Risiko für einen plötzlichen Herztod bereits deutlich an im Vergleich zum Abstand von 12-48 Stunden nach der letzten Sitzung (zit. n. [1]). In einer großen Kohortenstudie aus den USA haben Forscher die Frage untersucht, welcher Abstand der Dialyse zu einem chirurgischen Eingriff unter dem Aspekt der Sterblichkeit optimal ist (2).

Design

  • Studienform: Retrospektive Kohortenstudie auf Basis der Daten eines großen US-amerikanischen Registers (United States Renal Data System) in den Jahren 2011 bis 2018
  • Anzahl der chirurgischen Eingriffe: 1.147.846 meist kleinere Operation bei 346.828 Dialysepatienten im Alter von durchschnittlich 65 Jahren
  • Art der chirurgischen Versorgung: zu circa 42 % in einer Klinikambulanz, zu circa 35 % in niedergelassenen Praxen die übrigen Eingriffe stationär oder in Spezialzentren
  • Art der Operationen: Zu 37,5 % am Auge, zum Beispiel intraokuläre Injektionen, Augenlinsenersatz oder Eingriffe wegen Katarakt, außerdem Eingriffe im Zusammenhang mit dem Dialysezugang sowie Wund- und Infektionsversorgung
  • Primärer Endpunkt: Sterblichkeit jeglicher Ursache bis 90 Tage nach dem chirurgischen Eingriff

Hauptergebnisse

  • 65,4 % der Operationen erfolgten innerhalb von 24 Stunden, 24,9 % binnen zwei Tagen nach der letzten Sitzung und 9,7 % drei Tage nach der letzten Dialyse.
  • Bei 16,8 % der Operierten wurde unabhängig vom Dialyseschema am Tag des chirurgischen Eingriffs dialysiert.
  • 3,0 % der 1.147.846 Eingriffe waren binnen 90 Tagen postoperativ mit dem Tod des Patienten assoziiert.
  • Größere Abstände zwischen der letzten Hämodialyse und der Operation waren mit signifikanten Erhöhungen der Sterblichkeit jeglicher Ursache assoziiert, je länger die Abstände, desto höher das Risiko.
  • Die 90-Tage-Sterblichkeit lag
    • 2 Tage nach der letzten Dialyse bei 4,7 % vs. 4,2 % 1 Tag nach Dialyse (adjustierte Hazard Ratio [aHR]: 1,14) und
    • 3 Tage nach der letzten Dialyse bei 5,2 % vs. 4,2 % 1 Tag nach Dialyse (aHR: 1,25).
  • Eine Dialysesitzung am Tag der Op reduzierte das 90-Tage-Sterblichkeitrisiko um 0,5 % vs. keine Dialyse am Tag des Eingriffs.
  • Die p-Werte lagen zwischen 0,01 und 0,02 und waren damit signifikant.

Klinische Bedeutung

Vor dem Hintergrund, dass die meisten chirurgischen Eingriffe in der untersuchten Kohorte ein geringes 90-Tage-Sterblichkeitsrisiko hatten, sei ein Teil der Todesfälle vermutlich auf größere Abstände zur letzten Dialyse zurückzuführen, heißt es im Kommentar (1). Die absoluten Differenzen seien allerdings gering und es sei sinnvoll, die Daten durch prospektive Unresuchungen zu bestätigen. Gleichwohl sei bei elektiven Operationen wie diesen ein Abstand von maximal einem Tag zur letzten Dialyse vorteilhaft für die Patienten.

Finanzierung: öffentliche Mittel