Onychomykose: Erste S1-Leitlinie erschienen

  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) wurde erstmals eine S1-Leitlinie zur Onychomykose erarbeitet. Darin geben die Autoren Empfehlungen zu Materialentnahme, Erregernachweis und Therapiemöglichkeiten in Abhängigkeit vom Schweregrad des Pilzbefalls.

Exakte Diagnose mit Erregernachweis

„Eine Pilzinfektion lässt sich immer heilen, wenn die Diagnose stimmt“, unterstreicht Pietro Nenoff, Koordinator der Leitlinie. Daher seien die Konsultation einer Hautärztin oder eines Hautarztes und die Diagnosesicherung so wichtig. Die Leitlinie empfiehlt Nagelmaterial (Nagelspäne) zu entnehmen und dieses mit dem Mikroskop, kulturell und/oder mit molekularen Methoden zu untersuchen. Ebenfalls geben die Leitlinienautoren detaillierte Empfehlungen zur Materialgewinnung. „Es muss zudem differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden, dass für die Nagelveränderung keine anderen Ursachen wie zum Beispiel eine Schuppenflechte vorliegen“, erklärt Nenoff.

PCR ist Histologie überlegen

Bevor die Therapie festgelegt wird, sollte immer ein labordiagnostischer Nachweis des Erregers erfolgen. Neu in der Leitlinie ist, dass die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) als Methode für einen direkten Erregernachweis auf DNA-Ebene für den Nachweis als sehr geeignet angesehen und demzufolge zur Diagnostik empfohlen wird. Dabei ist die PCR der Histologie überlegen, die nur feststellen kann, ob eine Onychomykose vorliegt oder nicht; die Spezies wird nicht bestimmt. Am besten sei laut Leitlinie eine Kombination aus beidem. Für gesetzlich Versicherte ist die PCR-Untersuchung allerdings bislang eine Selbstzahlerleistung.

Antimykotischer Nagellack oder systemische Therapie?

Der Schweregrad der Infektion bestimmt die Art der Behandlung. Es handelt sich um eine leichte oder mäßig ausgeprägte Nagelinfektion, wenn maximal 40 Prozent der Nageloberfläche oder maximal drei von zehn Zehen betroffen sind. In diesen Fällen empfiehlt die Leitlinie das einmal wöchentliche Auftragen eines antimykotischen Nagellackes. Ist die Onychomykose mittelschwer oder schwer, sollte oral (systemisch) behandelt werden. Empfohlen wird dann eine Kombination aus topischer Nagellackbehandlung mit antimykotischen Präparaten wie Terbinafin, Fluconazol und Itraconazol. Ein eigener Abschnitt beschäftigt sich außerdem mit den Wechselwirkungen der antimykotischen Wirkstoffe mit anderen Medikamenten

Off-Label-Use bei Kindern

Auch Kinder können bei einer fortgeschrittenen Onychomykose systemisch behandelt werden, so die Leitlinienautoren. Hierbei sei zu beachten, dass die Dosis entsprechend des Alters und Gewichtes des Kindes angepasst werde. wird“, so der Experte. Diese zur Off-Label-Use-Behandlung eingesetzten Antimykotika gelten nach Meinung der Leitlinienautoren für Kinder als sichere und wirksame Therapieoptionen.

Verhaltensänderungen für Therapieerfolg

Die Leitlinie geht außerdem auf die große Bedeutung der Patientenverantwortung auf den Heilungserfolg ein „Die Heilungschancen sind am größten, wenn maximal 30 bis 50 Prozent der Nagelfläche betroffen sind. Also sollte man nicht lange warten“, rät Nenoff. Zudem sollte die medizinische Behandlung gewissenhaft umgesetzt und auch alle unterstützenden und präventiven Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören auch „Verhaltensänderungen“ wie beispielsweise das tägliche Füße-Waschen, das Wechseln der Strümpfe, das Desinfizieren von Schuhen und das Vermeiden des Barfußlaufens in Schwimm- und Turnhallen oder das Absehen von Saunabesuchen

Laut DDG betrifft Nagelpilz in Deutschland schätzungsweise 2 bis 15 Prozent der Bevölkerung und ist eine der häufigsten Diagnosen in der dermatologischen Praxis. Zehennägel sind viermal so häufig befallen wie Fingernägel. Bei älteren Personen oder bei Menschen mit Grunderkrankungen wie Diabetes, HIV-Infektion, Hämodialyse, Tumor- und Leukämiepatienten, Down-Syndrom) ist die Entwicklung der Onychomykose mit multiplem Nagelbefall begünstigt.