Online-Suche nach Sexualpartnern ist Offline mit mehr Hochrisikoverhalten assoziiert

  • J Sex Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Suche nach Sexualpartnern über Online-Dating-Portale ist deutlich häufiger mit risikoreichen sexuellen Kontakten assoziiert als bei Offline-Anbahnung. Dies ergibt eine repräsentative Studie aus Schweden, wo 99 % der Bevökerung im Alter von 16 bis 65 Jahren regelmäßig das Internet nutzen. 11 % der Männer und 7 % der Frauen dieser Altersgruppe suchen im Internet nach Sexualpartnern. Geschlechtsverkehr ohne Kondome ist in dieser Gruppe 5 bis 6 Mal so häufig wie unter Menschen, die für die Kontaktsuche nicht in Internet-Portalen unterwegs sind. Sexuell übertragbare Erkrankungen sind doppelt so häufig.

Hintergrund
Online-Portale erleichtern vielen Menschen die Suche nach Sexualpartnern. Ob diese Form der Kontaktaufnahme mit Risikoverhalten assoziiert sein könnte, hat ein Forscherteam in Schweden untersucht. Günstige Voraussetzung für die Studie: 99 % der Schweden haben Zugang zum Internet und nutzen es auch.

Design

  • Studienform: stratifiziert, randomisiert, populationsbasiert
  • Teilnehmer: 50.000 zufällig ausgewählte Schweden im Alter von 16-84 Jahren wurden im Jahr 2017 für die Studie angefragt und von 14.537 Frauen und Männern lagen vollständige Antworten vor (Gesamtbevölkerung Schweden: ca. 10,2 Mio)
  • Intervention: Zusendung standardisierter Fragebögen per e-Mail, darunter Fragen wie:
    • Haben Sie schon einmal das Internet, das Smartphone oder eine App verwendet, um einen Sexualpartner zu treffen?
    • Hatten Sie in den vergangenen 12 Monaten kondomlosen Sex mit einem/einer nicht festen Partner/in?
    • Ist in den vergangenen 12 Monaten eine sexuell übertragbare Erkrankung wie eine Chlamydieninfektion, Condylome, Hepatitis B oder C, HIV oder Genital-Herpes diagnostiziert worden?

Hauptergebnisse

  • 11 % der Männer und 7 % der Frauen berichteten, Sexualkontakte online angebahnt zu haben, Nicht-Heterosexuelle häufiger als Menschen, die nach eigenen Angaben heterosexuell waren.
  • Frauen, die sich online mit Sexualpartnern verabredeten, hatten 5,1 Mal häufiger Sex ohne Kondome in den letzten 12 Monaten als Frauen, die für die Anbahnung von Sexualkontakten offline blieben.
  • Bei Männern war komdomloser Sex 6 Mal häufiger.
  • Auf sexuell übertragbare Erkrankungen ließen sich Online-Portal-Nutzer beiderlei Geschlechts 4 Mal häufiger untersuchen und doppelt so häufig wie bei Nicht-Portal-Nutzern wurde bei ihnen eine sexuelle übertragbare Krankheit diagnostiziert.
  • Wurde für Sex Geld bezahlt oder erhalten, vervierfachte sich die Wahrscheinlichkeit für eine sexuell übertragbare Infektion innerhalb von 12 Monaten.

Klinische Bedeutung
Online-Dating wird in westlichen Ländern zunehmend populär. Menschen, die Sexualkontakte über Online-Portale oder Apps anbahnen, sind häufiger zu ungeschütztem Sex mit kurzzeitigen Sexualpartnern bereit als Nicht-Nutzer solcher Portale, schlussfolgern die Autoren. Vor allem homosexuelle Männer im Alter von 30 bis 44 Jahren, die Online-Dating praktizieren, seien eine Risikogruppe. In nationalen Kampagnen zur Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen, aber auch bei individuellen Beratungsgesprächen sei es sinnvoll, den Aspekt der Nutzung von Online-Portalen und einem möglicherweise damit assoziiertem Risikoverhalten einzubeziehen, so die Autoren.

Finanzierung: öffentliche Mittel