Online-Hilfe für Jugendliche mit psychischen Problemen: eine bundesweite Studie


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Jugendliche suchen häufig im Internet nach Hilfe, wenn sie Schwierigkeiten haben. Das neue Forschungsprojekt ProHEAD unter Leitung des Universitätsklinikums Heidelberg untersucht, wie Internetseiten zu Depressionen, Essstörungen oder Alkoholmissbrauch aufgebaut sein sollten, damit sie den Betroffenen bei einer Problemlösung helfen.

Hintergrund

Fast die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen berichtet von psychischen Problemen. Die Inzidenz und Prävalenz psychischer Erkrankungen ist am höchsten im Alter zwischen 14 und 25 Jahren. Besonders junge Betroffene suchen jedoch häufig zunächst Unterstützung bei nahestehenden Personen oder informieren sich ausschließlich über das Internet, weil es anonym, zu jeder Tages- und Nachtzeit ansprechbar und auch für Jugendliche in ländlichen Regionen gut erreichbar ist. Um eine Chronifizierung und die damit verbundene langfristige Beeinträchtigung zu vermeiden, ist jedoch schnelle und effektive Hilfe notwendig. Um Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Hilfe im Umgang mit psychischen Problemen zu erleichtern, wurde das Pro-HEAD Konsortium ins Leben gerufen.

Wie sollten Webangebote aussehen?

Die jetzt startende Studie „ProHEAD" sei mit rund 15.000 Teilnehmern die bundesweit bislang größte und umfassendste wissenschaftliche Untersuchung zu Online-Hilfsangeboten im Internet für Jugendliche, heißt es in einer Mitteilung. „ProHEAD" steht für: „Promoting Help-seeking using E-technology for ADolescents" - und genau darum geht es: Wie müssen Internetseiten zu Depressionen, Essstörungen oder Alkoholmissbrauch aufgebaut sein, damit sie betroffenen Schülerinnen und Schülern wirklich erreichen und helfen? 

 „Uns ist besonders wichtig, dass im Rahmen des Projekts alle Schülerinnen und Schüler Zugriff auf Online-Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Prävention psychischer Erkrankungen haben. Dadurch haben alle - zugeschnitten auf ihre Bedürfnisse - die Möglichkeit, auf einfachem Weg etwas für ihr Wohlergehen zu tun", so Projektleiter Prof. Michael Kaess (Heidelberg).

Der Projektablauf 

Die Teilnahme ist für die Schülerinnen und Schüler freiwillig, die Angaben unterliegen dem Datenschutz. Vom 1. November an werden bundesweit die ersten Schulen in das Projekt einsteigen. Der erste Schritt ist für die Jugendlichen das Ausfüllen eines Fragebogens am PC, was circa 90 Minuten dauert. Auf Basis der Ergebnisse werden die Jugendlichen in die drei Gruppen „Jugendliche mit Verdacht auf eine psychische Erkrankung", „Jugendliche mit erhöhtem Risiko" oder „Gesunde Jugendliche" eingeteilt.

„Innerhalb dieser Programme erfolgt eine zufällige Zuteilung zu unterschiedlichen Interventions-Gruppen, um herauszufinden, welche Art von onlinebasierten Hilfsangeboten besonders wirkungsvoll ist bzw. auf welche Weise Betroffene dazu bewegt werden können, sich professionelle Hilfe zu suchen", sagt Michael Kaess. Nach einem und dann noch einmal nach zwei Jahren wird erneut ein Fragebogen ausgefüllt, um zu erfahren, wie erfolgreich die verschiedenen Angebote waren. Während einige Programme rein automatisiert ablaufen, werden andere von Experten betreut, die beispielsweise in Chats auch individuelle Fragen beantworten. Die Online-Angebote sollen professionelle und persönliche Unterstützung keinesfalls ersetzen, sondern Jugendliche darin bestärken, sich Hilfe zu suchen. 

Geleitet und koordiniert wird das Projekt (Laufzeit 2017–2021) von Prof. Dr. Michael Kaess und seinem Team von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg. Beteiligt sind weitere Abteilungen des Universitätsklinikums Heidelberg (Forschungsstelle für Psychotherapie; Leitung: PD Dr. Stephanie Bauer) sowie Partner der Universitätsklinika Hamburg-Eppendorf und Leipzig, der Universität Marburg, des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim sowie der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung