Obstruktive Schlafapnoe: weiterhin Bedarf an neuen Therapien

  • Lancet&HNO&Sleep

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Zu den vielen Themen beim kommenden Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Madrid wird selbstverständlich auch die Schlafapnoe gehören. Dafür gibt es gute Gründe: Die Prävalenz der obstruktiven und wohl auch der zentralen schlafbezogenen Atemstörungen ist insbesondere in den westlichen Industrieländern hoch und nimmt vermutlich sogar zu.

Prävalenz der obstruktiven Schlafapnoe teilweise über 50%

Daten aus der Schweiz zufolge betrage die Prävalenz der obstruktiven Schlafapnoe bei Männern fast 50 Prozent und rund 23 Prozent bei Frauen (Alter zwischen 40 und 85 Jahren). Nach einer Schätzung aufgrund einer aktuellen Literatur-Auswertung haben weltweit 936 Millionen Frauen und Männer im Alter von 30 bis 69 Jahren eine leichte bis schwere obstruktive Schlafapnoe; in manchen Ländern liege die Prävalenz sogar über 50 Prozent.

Eine Gefahr auch für’s Herz: die zentrale Schlafapnoe

Eine besonders schwerwiegende Schlafapnoe ist die zentrale Schlafapnoe, die meist in der Nacht auftritt und das normale Atmungsmuster während des Schlafs stört, aber dabei auch Herzfunktion und Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen kann. Dieser Form der Schlafapnoe liegt eine Störung der Atmungsregulation zugrunde. 

Oft betroffen: Patienten mit Herzinsuffizienz

Beide Formen der Schlafapnoe sind eine häufige Komorbidität bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Sowohl die obstruktive als auch die zentrale Schlafapnoe sowie die Cheyne-Stokes-Atmung seien bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit einer eingeschränkten Lebensqualität einem höheren Schweregrad der Herzinsuffizienz und einer erhöhten Mortalität assoziiert, so ein Autorenteam um Professor Michael Arzt vom Universitätsklinikum Regensburg. 

CPAP: wirksam, aber nicht bei allen Patienten „beliebt“

Primäre Strategie bei mittel- und schwergradiger obstruktiver Schlafapnoe ist die CPAP-Therapie, eine sehr effektive und wirksame Behandlung, die jedoch von Patienten häufig nicht akzeptiert bzw. vertragen wird. Andere Therapien wie Unterkiefer-Protrusionsschienen, die Lagetherapie oder Operationen an den oberen Atemwegen weisen den Autoren zufolge „eine variable und z. T. unvorhersehbare Wirksamkeit auf“. Weitere konservative Therapieansätze wie ein Körpergewichtsverlust seien oft schwierig und von unterschiedlichem dauerhaftem Erfolg geprägt. Daher bestehe seit Jahren Bedarf an neuen Behandlungs-Optionen für die OSA und an der Entwicklung wirksamer Strategien zur genauen Vorhersage und Optimierung der Behandlungsergebnisse für bestehende Nicht-PAP-Therapien.

Positive Langzeit-Daten zur Phrenicus-Stimulation

Bei der zentralen Schafapnoe steht zunächst die Behandlung der Grunderkrankung, etwa der Herzinsuffizienz, im Vordergrund. Auch bei dieser Form der Schlafapnoe wird CPAP eingesetzt, eine weitere Maßnahme ist zum Beispiel die Adaptive Servoventilation (ASV). Eine noch sehr neue Methode ist die unilaterale Phrenicus-Stimulation (in den USA kürzlich zugelassen); zu dieser Therapie-Methode haben Ärzte vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen gerade positive Dreijahres-Ergebnisse einer Studie mit 151 randomisierten Patienten gemeldet. Mit dem derzeit einzigen implantierbaren Geräts zur Behandlung von Patienten mit zentralen Atmungsstörungen (Typ Remedé, Hersteller Respicardia, USA) habe in der Studie eine anhaltende Verbesserung der Schlafmetriken nachgewiesen werden können, so Privatdozent Dr. Henrik Fox, Erstautor der Studie. Die Ergebnisse zeigten insbesondere die Langzeitsicherheit der Stimulationstherapie auf das Zwerchfell.