Nutzen kochsalzarmer Ernährung für herzinsuffiziente Patienten unklar


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Für die Empfehlung, dass herzinsuffiziente Patienten ihren Salz-Konsum reduzieren sollten, gibt es keine ausreichenden wissenschaftliche Belege.

Hintergrund

Patienten mit Herzinsuffizienz wird oft empfohlen, ihren Kochsalz-Konsum einzuschränken; die Begründung: durch verminderte Wasser-Retention sinke die Belastung für das Myokard. Über den kardialen Nutzen kochsalzarmer Kost und die empfehlenswerte Natrium-Aufnahme wird seit vielen Jahren allerdings kontrovers diskutiert.

Design

Systematische Analyse von neun Studien mit 479 herzinsuffizienten, überwiegend ambulant versorgten Patienten. Die Studien waren alle relativ klein: An keiner nahmen mehr als 100 Patienten teil.

Hauptaussagen 

Die Analyse lieferte für den primären kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärer Mortalität, Gesamtmortalität, Schlaganfall und Herzinfarkt keinen Beleg dafür, dass eine Salz-Restriktion etwas nützt. Auch bei sekundären Endpunkten ergab die Studien-Auswertung keine ausreichenden Beweise für einen Nutzen kochsalzarmer Kost. So ergaben zum Beispiel zwei Studien, dass die NYHA-Klasse (sekundärer Endpunkt) ambulant behandelter Patienten gleich blieb; zwei andere Studien ergaben hingegen eine signifikante Abnahme der NYHA-Klasse. 

Klinische Bedeutung

Die vorliegenden Daten sprechen nach Angaben der Autoren weder eindeutig genug gegen noch für eine Salz-Restriktion  bei Herzinsuffizienz. Aufgrund dieser Unsicherheit über den Nutzen der Salz-Restriktion seien qualitativ gute Studien notwendig. Prospektive, randomisierte und kontrollierte Langzeit-Studien, wie sie zur Klärung sinnvoll wären, sind allerdings gerade in der Ernährungsmedizin nicht so einfach. Dies gilt auch für Studien zu kochsalzarmen Diäten. Deswegen wurde in den USA sogar der Vorschlag gemacht, eine solche Kochsalz-Studie in Haftanstalten durchzuführen, das dort die Ernährung der Studienteilnehmer und ihre Adhärenz zu Diäten relativ gut gesteuert werden könnten.  Klarheit wird sich von der seit 2014 laufenden Studie SODIUM-HF erhofft. Erste aussagekräftige Daten werden allerdings nicht vor 2021 vorliegen.

Finanzierung: National Institute of Health Research School for Primary Care Research (NIHR)