Nutzen eines Osteoporose-Screenings für die Allgemeinheit momentan nicht belegbar

  • European Network For Health Technology Assessment (EUnetHTA) / Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat erstmals eine Gesundheitstechnologie - das Screening auf Osteoporose in der Allgemeinheit - für das European Network for Health Technology Assessment (EUnetHTA) bewertet. Die eingeschlossenen Studien mittlerer Qualität zeigten kein nachweisbaren Nutzen eines Osteoporose-Screenings zur Minimierung der Frakturraten bei älteren Frauen. Aufgrund der eingeschränkten Datenlage hat der EUnetHTA-Bericht keinen Einfluss auf die Entscheidungen für das deutsche Gesundheitssystem.

Hintergrund

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine niedrige Knochenmineraldichte (BMD) und eine erhöhte Knochenbrüchigkeit gekennzeichnet ist. Um Menschen mit Osteoporose frühzeitig identifizieren und behandeln zu können, wird immer wieder ein Osteoporose-Screening in der Allgemeinbevölkerung ins Spiel gebracht. Allerdings gibt es derzeit keine allgemein anerkannte europäische Politik für ein Osteoporose-Screening in der Allgemeinbevölkerung. Ziel der EUnetHTA-Bewertung war es, die Vor- und Nachteile eines bevölkerungsbasierten Osteoporose-Screenings im Hinblick auf eine erhöhte Frakturprävention zu vergleichen.

Frakturraten durch Osteoporose-Screenings wahrscheinlich nicht minimierbar

Als Informationsquelle hat das IQWiG acht randomisierte kontrollierte Studien unter Einbeziehung der medikamentösen Behandlung von Patienten mit einem positiven Screening-Ergebnis untersucht. In die Metaanalyse wurden 3 Studien eingeschlossen, in denen 49.912 gesunde Frauen entweder einem Osteoporose-Screening oder keinem Screening unterzogen wurden. Weitere 5 Studien, in denen 8.844 Frauen nach einem allgemeinen Osteoporose-Screening medikamentös behandelt wurden, wurde ebenfalls in die Metaanalyse aufgenommen. Die Frauen wurden bis zu 6 Jahre nach dem Screening beobachtet.

Diese Ergebnisse gelten für Screening-Behandlungsstrategien mit FRAX-Risikobefragung und Röntgenmessung der Knochendichte. Es wurden keine Studien zum Osteoporose-Screening bei Männern oder jüngeren Frauen gefunden.

Die Auswertung aller Studiendaten zeigte, dass ein Osteoporose-Screening wahrscheinlich keinen oder nur geringen Einfluss auf die Inzidenz symptomatischer Frakturen bzw. die Mortalitätsraten bei älteren Frauen aufweist.

Laut des europäischen Expertenkonsortiums waren die zugrunde liegenden Daten insgesamt von mäßiger Qualität, da die Ergebnisse und das Design der Studien unterschiedlich waren. Ein gesamteuropäischer wissenschaftlicher Bewertungsmaßstab wäre notwendig, um den Nutzen von Gesundheitstechnologien, insbesondere dem Screening der Allgemeinheit auf Osteoporose bewerten zu können. Die Pläne der EU-Kommission für eine europaweit einheitliche und national verbindliche HTA-Arbeit sieht das IQWiG daher unverändert skeptisch, auch wenn die Zusammenarbeit mit den europäischen Kolleginnen und Kollegen gut funktioniert habe.

Finanzierung: EU-Kommission