Nurses Health Study findet höheres Risiko für Adipositas und Diabetes nach Kaiserschnitt

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Teilnehmerinnen der Nurses Health Study, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, erkrankten langfristig häufiger an Adipositas und Typ-2-Diabetes als die auf natürlichem Wege geborenen Frauen in dieser Studie. Auch nach zusätzlicher Adjustierung für den BMI war das Diabetes-Risiko um 34 % erhöht.

Hintergrund

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, haben als Erwachsene ein erhöhtes Risiko für Adipositas. Ob dies auch für Erkrankungen gilt, die mit Übergewicht assoziiert sind, sei unklar, schreiben die Autoren der aktuellen Studie.

Design

Prospektive Kohortenstudie mit 33.226 Teilnehmerinnen der Nurses Health Study, von denen laut Auskunft der Mütter 1089 (3,3 %) per Kaiserschnitt geboren wurden. Sie waren zu Beginn der Untersuchung durchschnittlich 33,8 Jahre alt. Das relative Risiko für Adipositas und Typ-2-Diabetes wurde anhand von Selbstauskünften der Teilnehmerinnen geschätzt, wobei der mütterliche BMI und andere mögliche Verzerrungen berücksichtigt wurden.

Ergebnisse

  • Nach einer Nachverfolgungszeit von annähernd 2 Millionen Personenjahren waren 36 % der Frauen adipös, bei 6,1 % war ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden. Die Wahrscheinlichkeit dafür war nach einer Geburt per Kaiserschnitt erhöht.
  • Das adjustierte Chancenverhältnis RR für eine Adipositas betrug für Kaiserschnitt versus vaginale Geburt 1,11 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,03 – 1,19.
  • Bezüglich des Diabetes-Risikos wurde ein RR von 1,46 ermittelt (95%-KI 1,18 – 1,81), das auch nach zusätzlicher Adjustierung für den BMI der Teilnehmerinnen signifikant blieb (RR 1,34; 95%-KI 1,08 – 1,67).
  • Die Signifikanz der Resultate blieb erhalten, auch nachdem die Analyse auf Frauen beschränkt worden war, bei denen aufgrund der mütterlichen Charakteristika ein niedriges Kaiserschnitt-Risiko bestanden hatte.

Bedeutung

Die Studie bestätigt den Verdacht, dass eine Geburt per Kaiserschnitt mit einem geringfügig höheren Risiko für Adipositas und einem deutlicher erhöhten Risiko für einen Typ-2-Diabetes einhergeht. Eine Schwäche ist, dass dem statt ärztlicher Diagnosen die Selbstauskünfte der Teilnehmerinnen zugrunde liegen. Auch sind Krankenschwestern nicht repräsentativ für die (weibliche) Bevölkerung, und heute erfolgt mit annähernd 20 % ein wesentlich höherer Anteil der Geburten per Kaiserschnitt als in dieser Kohorte. Unabhängig von diesen Mängeln kann so eine Untersuchung letztlich nicht klären, ob der Zusammenhang kausal ist oder durch weitere „unsichtbare“ Risikofaktoren vermittelt wird.

Finanzierung: National Institutes of Health.