Nur etwas mehr Arbeit und schon weniger Gesundheit?


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Steigt die wöchentliche Arbeitszeit auch nur um eine Stunde, kann das manchen Arbeitnehmern zu schaffen machen, möglicherweise sogar ihre Gesundheit beeinträchtigen. Bereits diese geringe Zunahme reicht einer Untersuchung von Forschern der Universitäten Halle-Wittenberg und Erlangen-Nürnberg zufolge aus, dass Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst ihre eigene Gesundheit schlechter bewerten und deutlich häufiger zum Arzt gehen. Die Studie sei eine der ersten, die den Zusammenhang zwischen einer steigenden wöchentlichen Arbeitszeit und den Folgen für die Gesundheit untersuche, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Hintergrund

Der Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Gesundheit ist ein medizinisch, aber vor allem sozial- und auch wirtschaftspolitisch äußerst wichtiges Thema. „In deskriptiven Analysen zeigt sich oft ein positiver Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitszeit, zum Beispiel, wenn gesündere Menschen auch länger arbeiten", sagt Prof. Dr. Christoph Wunder von der Universität Halle-Wittenberg, der die Studie gemeinsam mit Dr. Kamila Cygan-Rehm von der Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt hat. Bislang wisse man aber wenig darüber, welche Effekte eine steigende Arbeitszeit auf die Gesundheit der Menschen habe. „Das Nachweisen eines ursächlichen Einflusses einer längeren Arbeitszeit auf die Gesundheit ist empirisch sehr schwierig, da man unbeobachtete Faktoren - zum Beispiel die innere Motivation - ausschließen muss, die sowohl zu längeren Arbeitszeiten als auch zur besseren Gesundheit führen können und somit den direkten kausalen Effekt verzerren", wird Kamila Cygan-Rehm in der Mitteilung zitiert.

Design

Um diesen Zusammenhang genauer zu beleuchten, werteten die Forscher die Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus den Jahren 1985 bis 2014 aus. Dabei handelt es sich um die größte und am längsten laufende Langzeitstudie, bei der seit mehr als 30 Jahren über 12.000 Privathaushalte in regelmäßigen Abständen zu ihren Lebensumständen befragt werden. Die Daten des SOEP geben zum Beispiel Auskunft über Bildung, Gesundheit, Einkommen, Erwerbstätigkeit und Lebenszufriedenheit. In die Studie flossen ausschließlich Daten von Arbeitnehmern aus den alten Bundesländern ein, die im öffentlichen Dienst angestellt oder als Beamte tätig waren. „Beschäftigte im öffentlichen Dienst übernehmen Neuregelungen der wöchentlichen Arbeitszeit tendenziell eher als Beschäftigte in der Privatwirtschaft, die im Fall einer Änderung der tariflichen Arbeitszeit zum Beispiel Überstunden anpassen und so die wöchentliche Arbeitszeit konstant halten können. Beschäftigte im öffentlichen Dienst haben hier weniger Flexibilität", erläutert Christoph Wunder.

Hauptergebnisse

Bereits ein Plus von einer Stunde pro Woche kann signifikante Folgen haben: Die selbst eingeschätzte Gesundheit der Befragten sank um zwei Prozent, während die Zahl der Arztbesuche um 13 Prozent stieg. Besonders betroffen von diesen negativen Effekten waren Frauen sowie Familien mit jungen Kindern. „Vermutlich sind die Effekte bei diesen Gruppen stärker, weil sie außerhalb ihrer Arbeitszeit mit sehr begrenzten Zeitbudgets ausgestattet sind. Steigt die Arbeitszeit, steigt somit auch der Zeitdruck außerhalb der Arbeit", so Wunder. 

Bedeutung

Die Studie bestätigt, dass die Arbeitszeit Einfluss auf das Gesundheitsempfinden der Arbeitnehmer haben kann. Sie zeigt zudem, welche Folgen bereits eine kleine Veränderung der Arbeitszeiten haben kann, insbesondere für Familien mit Kindern, Frauen und sicher auch für Alleinerziehende. Aus der Studie lassen sich allerdings keine Aussagen zu einer optimalen Arbeitszeit ableiten. Relevant sind die Ergebnisse vor allem für Maßnahmen von Tarifpartnern und sozial- und wirtschaftspolitische Entscheidungen. 

Finanzierung: keine Angaben