NOA-09-Studie: Intensivierte Gliomtherapie ohne Einbußen bei Lebensqualität und Kognition möglich

  • Lancet Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die Kombination aus Lomustin und Temozolomid verlängert bei Patienten mit einem Glioblastom, bei dem der MGMT-Promotor methyliert ist, das Leben. Die Lebensqualität und die Kognition werden dabei nicht spürbar stärker beeinträchtigt, als mit Temozolomid alleine.

Hintergrund

Patienten mit einem Glioblastom, bei dem der MGMT-Promotor methyliert ist (das sind ca. 35–50%), überleben signifikant länger, wenn sie mit einer Kombination aus Lomustin und Temozolomid behandelt werden, als mit Temozolomid allein. Neben dem Wirksamkeitsvergleich sollten in der Studie CeTeG/NOA-09 auch die Lebensqualität und die kognitiven Funktionen der Patienten erfasst werden, über die hier berichtet wird. Das mediane Gesamtüberleben hatte unter der Kombination 48,1 Monate betragen gegenüber 31,4 Monaten mit der Temozolomid-Standardtherapie.

Design

Aus der randomisierten Phase 3-Studie CeTeG/NOA-09 konnten 129 Patienten mit neu diagnostizierten MGMT-methylierten Glioblastomen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren mit einem Karnofsky-Wert von mindestens 70% eingeschlossen werden, die man an 17 deutschen Universitätskliniken rekrutiert hatte. Die Patienten hatten bis dahin weder eine Chemo- noch eine Strahlentherapie erhalten. Nun erhielten sie 60 Gy, sowie entweder 6 Mal eine 6-wöchige Chemotherapie mit jeweils 100 mg/m2 Lomustin am ersten Wochentag plus 100-200 mg/m2 an Tag 2–6, oder während der Strahlentherapie täglich 75 mg/m2 Temozolomid, plus 6 vierwöchige Zyklen im Abstand von 4 Wochen mit 150–200 mg/m2 Temozolomid jeweils an Tag 1–5.

Ergebnisse

  • Bei einer medianen Nachverfolgungszeit von 19,4 Monaten für die Messung der Lebensqualität gemäß dem 30 Punkte umfassenden Fragebogen der EORTC (European Organisation for Research and Treatment of Cancer) gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen (p = 0,26).
  • Wurde die Kognition mit der Mini Mental State Examination (MMSE) erfasst, so ergab sich bei einer medianen Nachbeobachtung von 15,3 Monaten ein signifikanter Vorteil von 0,11 Punkten für die Standardtherapie mit Temozolomid (p = 0,0058). Mit einer Differenz von 1,76 Punkten über 4 Jahre war dieser Unterschied aber klinisch nicht relevant.
  • Bei einer Gruppe von neurokognitiven Tests (NOA-07) gab es wiederum keine signifikanten Unterschiede. Die Differenz im Wortfindungstest (COWA), die über median 11 Monate ermittelt wurde, betrug 0,04 (p = 0,14)

Klinische Bedeutung

Eine Kombinationstherapie aus Lomustin und Temozolomid verlängert bei neu diagnostizierten Gliom-Patienten mit methyliertem MGMT-Promoter das Gesamtüberleben deutlich. Im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie mit Temozolomid allein kommt es dabei weder zu einer klinisch relevanten Verschlechterung der Lebensqualität noch der Kognition.

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung.