Nierenzellkarzinom: Die Onkopedia-Leitlinien sind aktualisiert


  • Oncology guidelines update
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die partielle oder radikale Nephrektomie ist die einzige kurative Behandlung. D ie komplette Resektion des Tumors wird bis zum Stadium IV bei Oligometastasierung angestrebt. Für multipel fernmetastierte, nicht resezierbare Nierenzellkarzinome gibt es vor allem mit Angiogenese- , Checkpoint- und mTOR-Inhibitoren neue Optionen, die in klinischen Studien das progressionsfreie Überleben und zum Teil auch das Gesamtüberleben verbesser t haben . Die Anwendung der teilweise miteinander zu kombinieren den Substanzen wird dem individuellen Risiko angepasst.

Hintergrund

Nierenzellkarzinome gehören zu den vergleichsweise häufigen Malignomen. Für Deutschland wird die Zahl der Neuerkrankungen auf jährlich 16 400 geschätzt. Histopathologisch dominieren klarzellige (75-80%) und papilläre Karzinome (10-15 %). Viele Nierenzellkarzinome bleiben über längere Zeit asymptomatisch und unbemerkt, zunehmend häufiger werden sie aber auch bei Untersuchungen wegen anderer Verdachtsdiagnosen entdeckt. Die palliative medikamentöse Therapien im metastasierten Stadium hat sich in den letzten Jahren rasch weiterentwicklelt.

Design

Erarbeitung der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) und der Partner-Fachgesellschaften in Österreich und der Schweiz (1).

Hauptergebnisse

  • Die wirksamsten kausalen Therapieverfahren des Nierenzellkarzinoms sind die offene oder laparoskopische Operation und die medikamentöse Therapie. Während früher die radikale Nephrektomie Goldstandard war, wird heute, wenn möglich, eine partielle Entfernung von Nierengewebe angestrebt, da die postoperative Niereninsuffizienz die Prognose negativ beeinflusst.
  • Bei lokal begrenzter Ausdehnung kommen zunehmend physikalische Verfahren mit perkutanen, gezielten Therapien unter bildgebender Kontrolle zur Anwendung. So lassen sich durch Kryotherapie und Radiofrequenzablation Tumorkontrollraten von bis zu 85% nach einem Jahr erzielen. Zur Lasertherapie und zur Behandlung mit hoch intensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) gibt es wenig kontrollierte vergleichende Studien mit Langzeitbeobachtung, diese Verfahren gelten daher noch als experimentell.
  • Eine medikamentöse adjuvante Therapie ist beim Nierenzellkarzinom derzeit nicht indiziert.
  • Viele therapeutische Innovationen gibt es bei der systemischen Erst- und Zweitlinientherapie im Stadium IV, die im Allgemeinen als palliativ gilt. Einen deutlichen Fortschritt mit signifikanter Verlängerung des progressionsfreien Überlebens gegenüber dem früheren Standard Interferon-alpha konnte mit Angiogenese-hemmenden Multityrosinkinase-Inhibitoren (TKI), mit mTOR–Inhibitoren, mit der Kombination Interferon alpha plus Bevacizumab, neueren TKIs und mit Checkpoint-Inhibitoren erreicht werden.
  • In einer prospektiv randomisierten, 2018 publizierten Studie (2) erwies sich bei nicht vorbehandelten Patienten mit klarzelligem Nierenzellkarzinom die Komination Ipilimumab plus Nivolumab dem VEGF-Inhibitor Sunitinib bei intermediärem und hohem Risiko überlegen in Bezug auf Progressionsfreiheit und Gesamtüberleben. Die Kombination Ipilimumab/Nivolumab gilt deshalb aktuell als erste Wahl bei intermediärem und hohem Risiko, nicht aber bei Patienten mit niedrigem Risiko.

Klinische Bedeutung

Die Überarbeitung der Onkopedia-Leitlinien zum Nierenzellkarzinom zeigt praxisrelevante Neuerungen für die Klinik auf. Die meisten Studien zur medikamentösen Therapie liegen für das klarzellige Nierenkarzinom vor, für das nicht klarzellige Nierenzellkarzinom sei die Evidenz im Allgemeinen geringer, so die Autoren.