Nierenzellkarzinom: Ansprechrate nahe 60 % durch doppelte Hemmung von PD-1 und Angiogenese


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Laut einer Interimsanalyse verbessert eine Kombinationstherapie aus PD-1- bzw. PD-L1-Hemmung und Anti-Angiogenese das progressionsfreie Überleben beim metastasierten Nierenzellkarzinom gegenüber einer Monotherapie um mehrere Monate.

Hintergrund

Weltweit werden jährlich etwa 340.000 Menschen mit Nierenkrebs diagnostiziert; in Deutschland sind es etwa 15.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Für die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms sind binnen einer Dekade etwa ein Dutzend neue Substanzen verschiedener Wirkstoffklassen zugelassen worden. Sie haben vermutlich dazu beigetragen, dass die 5-Jahres-Überlebensrate auf annähernd 75 % gestiegen ist.

Design

Erste präspezifizierte Interimsanalyse einer offenen Studie der Phase 3 mit 861 Patienten mit einem zuvor unbehandelten, fortgeschrittenen, klarzelligen Nierenzellkarzinom (KEYNOTE-426). Verglichen wurde eine Kombinationstherapie aus dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab (200 mg i.v. alle drei Wochen) plus dem anti-angiogenen Typrosinkinase-Inhibitor Axitinib (2 Mal täglich 5 mg oral) mit einer Monotherapie mit einem anderen anti-angiogenen Typrosinkinase-Inhibitor, dem bereits 2006 zugelassenen Sunitinib (Täglich 50 mg oral während der ersten 4 Wochen jedes 6-wöchigen Zyklus). Die primären Endpunkte waren das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben, sekundäres Studienziel die objektive Ansprechrate.

Hauptergebnisse

  • Nach einer medianen Beobachtungszeit von 12,8 Monaten wurde der Anteil der Patienten geschätzt, die nach einem Jahr noch am Leben waren. Er betrug unter der Kombinationstherapie 89,9 % gegenüber 78,3 % unter der Monotherapie. Dies entspricht einem Chancenverhältnis HR von 0,53 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,38 – 0,74 (P
  • Das mediane, progressionsfreie Überleben war unter der Kombinationstherapie 15,1 Monate, unter der Monotherapie 11,1 Monate (HR für Krankheitsprogression oder Tod 0,69; 95%-KI 0,57 – 0,84; P
  • 59,3 % der Patienten unter Pembrolizumab/Axitinib sprachen auf die Therapie an, unter Sunitinib waren es 35,7 % (P
  • Nebenwirkungen des Schweregrades 3 oder schlimmer erlitten 75,8 % der Patienten unter der Kombinationstherapie, und 70,6 % unter der Monotherapie.

Klinische Bedeutung

Zwar handelt es sich lediglich um die erste Interimsanalyse, und die Studie konnte aufgrund der verschiedenen Verabreichungsformen der Arzneien nicht verblindet werden. Der direkte Vergleich fällt jedoch zugunsten der Kombinationstherapie aus und wird mit einer nur geringfügig höheren Rate an schweren Nebenwirkungen erkauft. In einer zeitgleich veröffentlichten Studie mit dem PD-L1-Inhibitor Avelumab plus Axitinib gegen Sunitinib erwies sich die Kombinationstherapie ebenfalls als überlegen. Kommentator Bernard Escudier (Villejuif) erwartet, dass beide Kombinationen zur Standardbehandlung werden und in zukünftigen Leitlinien empfohlen werden.

Finanzierung: Merck Sharp & Dohme.