Nierentransplantation: Organfunktionsraten im letzten Jahrzehnt nur minimal verbessert


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Langzeitfunktionsraten von postmortal gespendeten Nieren haben sich in Europa zwischen 2006 und 2015 leicht verbessert im Vergleich zur Dekade davor: Drei von vier Nieren (75 Prozent), die ab 2006 verpflanzt wurden, funktionierten zehn Jahre lang. Bei Nierentransplantation zwischen 1996-2005 funktionierten 70 Prozent der Organe 10 Jahre lang. Bei den Fünfjahres-Überlebensraten waren die Unterschiede mit 84 Prozent ( Operation: 2006-2015) versus 82 Prozent ( Operation: 1996-2005) zwischen den Dekaden minimal. Grund für die geringe Verbesserung der Ergebnisse ist das Patientenmanagement.

Hintergrund

Die Langzeitfunktion übertragener Organe ist wesentlich für den Patienten und ein Schlüsselkriterium für Qualität in der Transplantationsmedizin. Eines der wichtigsten wissenschaftlichen Register ist die Collaborative Transplantat Study (CTS), geführt in Heidelberg (1). Es liegen mehr als 700.000 Datensätze von Organempfängern aus 42 Nationen vor. In einer Analyse über drei Jahrzehnte (1986-2015) von Nierenempfängern in 21 europäischen Ländern ist untersucht worden, wie sich das Transplantatüberleben in Europa entwickelt hat und welchen Einfluss Spender- und Empfängerkriterien dabei haben (2).

Design

  • Datenbasis: 108.787 Empfänger postmortal entnommener Nieren (nach Hirntoddiagnose)
  • teilnehmende Kliniken: 135 Zentren in 21 europäischen Ländern
  • Zeitrahmen der Transplantationen: 1986-2015, unterteilt in drei Dekaden (1986-95; 1996-2005; 2006-2015)
  • Analysekriterium: Transplantatüberleben nach 1, 5 und 10 Jahren postoperativ

Hauptergebnisse

Das durchschnittliche Alter der Spender hat sich innerhalb der drei Jahrzehnte von 39,4 Jahren in der ersten Dekade auf 54 Jahre in der dritten Dekade erhöht. Auch die Empfänger wurden älter. Sie waren durchschnittlich 44 Jahre in der ersten analysierten Dekade und 53,7 Jahre in der dritten. Verlängert hat sich in diesem Zeitrahmen die durchschnittliche Dialysedauer vor Transplantation: von 3,8 Jahren (1986-1995) über 4,8 Jahre (1996-2005) auf 5,2 Jahre im Transplantationszeitraum 2006-2015.

Eine deutliche Verbesserung des Transplantatüberlebens wurde in der zweiten analysierten Dekade gegenüber der ersten gefunden: Die 5-Jahresüberlebensraten betrugen 70 Prozent im ersten Jahrzehnt ab Mitte der 80er Jahre und 82 Prozent ab Mitte der 90-er Jahre. Bei einer Transplantation ab 2006-2015 erhöhte sich dieser Wert nur auf 84 Prozent. 10 Jahre nach Nierentransplantation funktionierten in der Phase 1986-1995 noch 60 Prozent der Organe und ab 1996-2005 noch 70 Prozent. Danach erhöhte sich der Wert für das 10-Jahres-Funktionieren lediglich auf 75 Prozent.

Die minimalen Steigerungsraten der Organfunktion in der letzten Dekade gegenüber der vorletzten waren einer multifaktoriellen Analyse zu Folge nicht auf Veränderungen von Spender- und Empfängermerkmalen zurückzuführen, sondern vor allem auf das Management der Patienten nach der Transplantation.

Klinische Bedeutung

Ein wesentlicher Grund dafür, warum sich die 5-Jahresergebnisse der Nierentransplantation in Europa 2006-2015 im Vergleich zur vorangehenden Dekade kaum verbessert haben und die 10-Jahresergebnisse nur minimal, liegt den Autoren der CTS-Studie zu Folge beim Patienten-Management. Hier könnten alle Einflussfaktoren von Bedeutung sein wie Monitoring, suboptimale Anpassung der Abstoßungsprophylaxe, Toxizitätsmanagement oder Compliance der Patienten.

Vor dem Hintergrund des Organmangels, langer Wartezeiten und einer schlechteren Prognose des Organempfängers nach einer Wiederholungstransplantation sei es wesentlich, das Patiententenmanagement zu optimieren.
 

Finanzierung: öffentliche Mittel