Nierentransplantation: Neuer Genort mit hohem Einfluss auf Abstoßungen entdeckt


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Schon seit Längerem ist bekannt, dass so genannte minor Histokompatibilitäts-Antigene (mHAg) Abstoßungsreaktionen gegen Stammzell- und Organtransplantate hervorrufen können. Nun ist ein neues mHAg identifiziert worden, kodiert vom Genlocus LIMS1. Die LIMS1-kodierten Proteine werden auf Nierenzellen exprimiert. Unterscheiden sich die LIMS1-Polymorphismen von Nierenspendern und -empfängern, steigt das Risiko für LIMS1-spezifische Immunantworten im Empfänger und für eine Abstoßung der neuen Niere.

Hintergrund

Spenderorgane sind in vielen westlichen Ländern knapp, das gilt besonders auch für Deutschland. Jeder 5. bis 7. Patient auf der Warteliste für eine neue Niere ist schon einmal transplantiert worden. In Deutschland machen solche Wiederholungstransplantationen 13–15 % der Patienten auf der Warteliste für eine Niere aus; circa 1.700 Nieren werden jährlich transplantiert. Bei fast zwei Dritteln der versagenden Nierentransplantate sind Abstoßungsreaktionen die Ursache. Daher wird intensiv daran geforscht, Abstoßungsreaktionen nicht nur durch verbesserte Screeningmethoden und immunsuppressive Therapien zu vermeiden, sondern auch durch eine weitere Optimierung der Abstimmung von biologischen Merkmalen bei Spendern und Empfängern.

Design

  • große Kohortenstudie, basierend auf zwei Studienphasen:
    • 1. Phase: Suche nach rezessiv vererbten Polymorphismen in 50 kodierenden, überlappenden Gensequenzen in einer Kohorte aus 705 Nierenempfängern
    • 2. Phase: Analyse von 3 unabhängigen Kohorten aus Nierenspender/-empfängerpaaren, bei denen die Empfänger homozygot für einen dieser Genpolymorphismen waren, die Spender aber heterozygot
  • Suche nach und Charakterisierung von Alloantikörpern beim Empfänger

Hauptergebnisse

Schon in der Screening-Kohorte mit 705 Nierenempfängern ergab sich eine um 84 % erhöhte Abstoßungsrate der Organe bei einem LIMS1-Mismatch zwischen Spender und Empfänger. In der Analyse der 2. Kohorte mit 2004 Spender-Empfängerpaaren war das Risiko für eine Abstoßung der Nieren bei LIMS1-Mismatch ebenfalls erhöht, und zwar um 55 %. Die Unterschiede waren jeweils statistisch hoch signifikant. Für beide Kohorten gemeinsam betrug die Risikoerhöhung 63 % bei Divergenzen im LIMS1-Lokus. Dieser wird daher als ein neues minor Histokompatibilitäts-Antigen (mHAg) beschrieben. Unterschiede in LIMS1-Gewebemerkmalen induzieren bei Nierenempfängern Antikörper der Klassen IgG2 und IgG3.

Klinische Bedeutung

Unterschiede in LIMS1-Polymorphismen zwischen Nierenspendern und -empfängern haben klinische Relevanz, weil sie das Abstoßungsrisiko erhöhen. Auf solche genetischen Polymorphismen, aber auch auf LIMS1-spezifische Antikörper lässt sich zuneh mend besser screenen, so die Autoren. Screening und Matching seien bei großen Spender-Empfänger-Pools wie in den USA oder wie dem Eurotransplant-Verbund, zu dem Deutschland gehört, realistisch und könnten das Abstoßungsrisiko vermindern.

Finanzierung: Universitätsmittel