Nierentransplantation: Erlernter Placeboeffekt wirkt wie immunsuppressives Medikament


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Eine erlernte immunsuppressive Placeboantwort erhöhte in einer ersten klinischen Studie mit Nierenempfängern die immunsuppressive Wirkung von Calcineurinhibitoren. Die Konditionierung von Patienten wird erforscht, um die Dosierung von Immunsuppressiva in der lebenslangen Erhaltungstherapie n ach Organ übertragung reduzieren zu können.

Hintergrund

Nach der Transplantation eines allogenen Organs muss das Immunsystem lebenslang supprimiert werden, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Calcineurinhibitoren wie Ciclosporin und Tacrolimus sind gut etablierte Standard medikamente , können aber nephro- und neurotoxische Effekte haben und die kardiovaskuläre und metabolische Gesundheit des Patienten verschlechtern. Um die Lebensqualität und das neue Organ zu erhalten, versuchen Forscher, Medikamente und Behandlungsregime zu optimieren. Die klassische Konditionierung könnte einer aktuellen klinischen Studie zu f olge ein e neue Strategie sein.

Design

  • Klinische Phase1/2-Studie
  • Screening von 94 Patienten, die nach allogener Nierentransplantation eine Standard-Abstoßungsprophylaxe erhielten
  • Aufnahme in die Studie: 30 Patienten, davon 24 Männer
  • durchschnittliche Zeit seit Nierentransplantation: 6 Jahre
  • Basis der Konditionierung: Calcineurininhibitor als unkonditionierter Stimulus, neuartig schmeckendes Getränk als konditionierter Stimulus
  • Trainingsphase: Patienten erhielten mehrfach den unkonditionierten Stimulus (immunsuppressives Medikament) zusammen mit dem konditionierten Stimulus (Getränk mit neuartigem Geschmack).
  • Nach der Trainingsphase wurde der konditionierte Stimulus mit einer Placebo-Immunsuppression kombiniert
  • Messen von Laborparametern vor und nach der Konditionierung (jeweils +2 h, +6 h, +10 h)

Hauptergebnisse


Die Proliferation von CD4+ T-Zellen sank kurz nach morgendlicher Einnahme von Immunsuppressiva signifikant und erhöhte sich bei unkonditionierten Probanden ab 6 Stunden und länger. Die Expression von Zytokinen wie IL-2 und Interferon γ nahm nach 10 Stunden zu, bei den Katecholaminen (Noradrenalin) gab es keine wesentlichen Änderungen, die Cortisol-Konzentrationen im Plasma folgten einem zirkadianen Rhythmus.
 

Nach einer Konditionierungsphase der Teilnehmer verminderte sich die T-Zellproliferation, wenn die Probanden zusammen mit dem speziell schmeckenden Getränk (konditionierter Stimulus) ein Placebo statt eines immunsuppressiven Medikamentes erhielten: Der Anteil der CD4+ T-Zellen an den Lymphozyten sank 6 und 10 Stunden nach Einnahme des konditionierten Stimulus plus Placebo, die Menge der messenger-RNA für IL-2 und IFNγ war 10 Stunden nach Einnahme des konditionierten Stimulus plus Placebo signifikant vermindert. Die Änderungen der Cortisol-Konzentrationen entsprachen denen der unkonditionierten Teilnehmer.

Klinische Bedeutung


Die Studie belegt nach Meinung der deutschen und schwedischen Autoren, dass sich über eine klassische Konditionierung die immunsuppressiven Effekte von Medikamenten erlernen lassen. Dies müsse nun in weiteren, größeren klinischen Studien bestätigt werden mit dem Ziel, Dosierungen von Immunsuppressiva und deren unerwünschte Effekte in der Erhaltungstherapie durch einen antrainierten Placebo-Effekte zu vermindern.
 

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft