Nierenkranke oft auch Herzkranke

  • Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Nephrologen und Kardiologen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) raten im Rahmen von neuen „Klug entscheiden“-Empfehlungen (KEE) dazu, Patienten mit fortgeschrittenen chronischen Nieren-Erkrankungen gezielt auf kardiologische Erkrankungen zu untersuchen. Die Fachgesellschaft fordert zudem, dass Patienten mit Nieren-Erkrankungen zukünftig nicht mehr aus kardiologischen Studien ausgeschlossen werden.

Nierenkranke Patienten oft multimorbide 

„Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz soll bei entsprechenden Hinweisen ein akutes Koronarsyndrom ausgeschlossen werden. Mit dieser neuen „Klug entscheiden“-Empfehlung will die DGIM die Aufmerksamkeit der Ärztinnen und Ärzte auf Zusammenhänge zwischen Erkrankungen der Nieren und des Herzens lenken. Denn bei nierenkranken Patienten bleiben Probleme wie ein akutes Koronarsyndrom im Krankenhaus häufiger unentdeckt als bei Patienten ohne Nieren-Erkrankung. Auch die Zahl der Todesfälle in Folge einer Herz-Erkrankung liegt bei Nieren-Patienten erheblich höher. Darauf weist die Fachgesellschaft in der neuen KEE unter Berufung auf Ergebnisse US-amerikanischer Wissenschaftler hin. „Nierenkranke Patienten kämpfen zusätzlich oft mit weiteren Krankheiten, häufig auch am Herzen“, sagt Professor Dr. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen der Uniklinik der RWTH Aachen. Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung sei es entscheidend, die Aufmerksamkeit von Ärzten und Wissenschaftlern verstärkt auf multimorbide Patienten und ihre Beschwerden zu lenken. 

Mehr Zusammenarbeit nötig

Floege fordert zudem mehr Interdisziplinarität der internistischen Forschung: „Gerade Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion werden nahezu regelhaft aus kardiologischen Studien ausgeschlossen. Damit vernachlässigen wir in den Studien eine wichtige Hochrisiko-Gruppe von Patienten.“ Von einer verstärkten wissenschaftlichen Zusammenarbeit von Kardiologie und Nephrologie könnten jedoch viele Tausende Patienten profitierten, so der DGIM-Vorsitzende. Aus diesem Grund widmet sich der 126. Internistenkongress im April 2020 unter dem Leitthema „Herz und Niere: eine unheilige Allianz“ den Wechselwirkungen zwischen Erkrankungen der beiden Organe. Zuvor soll bereits die neue KEE die behandelnden Ärztinnen und Ärzte für die Problematik sensibilisieren. 

Kontra Über- und Unterversorgung

Seit 2016 gibt die DGIM die KEE für Ärztinnen und Ärzte heraus. Elf weitere Fachgesellschaften haben sich der Initiative der DGIM angeschlossen. Zwölf neue KEE sind im April 2019 hinzugekommen, sodass das Programm nun 149 Positiv- und Negativempfehlungen umfasst. „Mit der Initiative KEE geben wir den Ärztinnen und Ärzten der beteiligten Fachbereiche ein praktisches Instrument für den Klinik- und Praxisalltag an die Hand“, sagt Professor Dr. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM und Kardiologe aus Würzburg. „Die Handlungsempfehlungen richten sich sowohl gegen Über- als auch Unterversorgung und sollen die Qualität und Effektivität der Patientenversorgung weiter verbessern“, so Ertl. Ärztinnen und Ärzte können in der eAkademie der DGIM Schulungen zu den KEE absolvieren und ein Zertifikat erhalten. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage https://www.klug-entscheiden.com .