Niederländische Forscher für neue Einteilung der Insomnien


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Vor dem Hintergrund großer Umwälzungen in der Nosologie der Insomnie in den vergangenen Jahren haben niederländische Forscher eine neue, Daten-getriebene Klassifikation der Insomnie vorgeschlagen, die mit 5 Subtypen sowohl klinisch relevant als auch langfristig stabil erscheint.

Hintergrund

Schlaflosigkeit gilt als zweithäufigste psychische Erkrankung und ist ein bedeutender Risikofaktor für Depressionen. Bei den Patienten finden sich unterschiedliche klinische Befunde und Biomarker, was darauf hinweist, dass die Krankheit selbst heterogen ist und noch unerkannte Subtypen besitzt. Diese sollten hier mithilfe einer Daten-getriebenen Analyse aufgrund biologisch basierter Marker entdeckt werden.

Design

4322 erwachsene Teilnehmer des niederländischen Schlafregisters füllten online mindestens einen von 34 Fragebögen aus und wurden bezüglich des Insomnia Severity Index (ISI) untersucht. Subtypen der Schlaflosigkeit wurden anhand dieser Angaben mit der Methode der latenten Klassenanalyse identifiziert, an einer zweiten Kohorte validiert und in mehrjährigem Follow-Up unter anderem auf Beständigkeit, klinische Validität sowie dem Ansprechen auf Benzodiazepine und Verhaltenstherapie überprüft.

Hauptergebnisse

  • 2224 Teilnehmer hatten eine wahrscheinliche Schlaflosigkeits-Störung, definiert als ein ISI-Wert von mindestens 10; die 2098 Teilnehmer mit einem niedrigeren Wert dienten als Kontrolle.
  • Es wurden 5 neue Subtypen der Insomnie-Störung identifiziert und in einer zweiten Kohorte von 251 Teilnehmern bestätigt:
    • hochgradig besorgt („distressed“)
    • mittelmäßig besorgt, aber auf Belohnungen / Angenehmes reagierend
    • mittelmäßig besorgt, reagiert nicht auf Belohnung
    • geringfügig besorgt mit hoher Reaktivität auf Umgebung und Lebensereignisse
    • geringfügig besorgt mit niedriger Reaktivität
  • Die Teilnehmer wurden zu mehr als 90 % jeweils nur einem Subtyp zugeordnet.
  • Nach einem mittleren Follow-Up von 4,8 Jahren war der Subtyp bei 87 % unverändert.

Klinische Bedeutung

Die klinische Relevanz der neuen Einteilung zeigt sich unter anderem darin, dass die verschiedenen Subtypen sich auf unterschiedliche Weise entwickelten, unterschiedlich auf verschiedene Behandlungen ansprachen und ein bis zu fünffach unterschiedliches Risiko für eine Depression mit sich brachten. Vor dem Hintergrund großer Umwälzungen in der Nosologie der Insomnie in den vergangenen Jahren belegt die hochdimensionale, Daten-getriebene Typisierung hier ihr Potenzial, die Heterogenität der aktuellen Klassifizierung zu mindern und die Effizienz der Behandlung zu verbessern. Ihr Scoring-System haben die Autoren im Internet kostenlos zur Verfügung gestellt unter der Adresse: https://tfblanken.shinyapps.io/itqapp/.

Finanzierung: European Research Council and Netherlands Organization for Scientific Research.