Nichtalkoholische Fettleber: auf dem Weg zur personalisierten Risikoprognose und Therapie


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die nichtalkoholische Fettleber-Erkrankung ist in den wohlhabenden Ländern bei Erwachsenen zunehmend häufig und mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus und KHK assoziiert. Außerdem ist das Risiko für eine Zirrhose und ein Leber-Karzinom erhöht. Neue Konzepte sollen dazu beitragen, eine bessere prognostische Einschätzung sowie eine individualisierte Diagnostik und Therapie zu ermöglichen. Denn Fettleber ist nicht gleich Fettleber. 

Hintergrund

Fast jeder dritte Erwachsene in den Industrieländern hat eine nichtalkoholische Fettleber (non-alcoholic fatty liver disease, NAFLD). Die Prävalenz steigt. Mit der NAFLD geht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose und eines Leber-Malignoms einher. Darüber hinaus sind die Betroffenen oft übergewichtig und besonders gefährdet, Diabetes mellitus und Bluthochdruck zu entwickeln, sowie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Einer aktuellen Metaanalyse zufolge haben Patienten mit NAFLD zum Beispiel ein zweifach erhöhtes Diabetes-Risiko. Es wird geschätzt, dass zwei Drittel der über 50-Jährigen mit Diabetes oder Übergewicht eine nichtalkoholische Steatohepatitis mit fortgeschrittener Zirrhose haben.

In einem Übersichtsartikel stellen Professor Norbert Stefan und Professor Hans-Ulrich Häring (Universitätsklinikum Tübingen und Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen, IDM) sowie Professor Kenneth Cusi von der University of Florida aktuelle Forschungserkenntnisse zur nichtalkoholischen Fettleber dar und erläutern, wie dieses Wissen künftig für eine personalisierte Risikoprognose und individualisierte Behandlung genutzt werden könnte. Denn die NAFLD ist eine komplexe und heterogene Krankheit, die zu verschiedenen Komplikationen führen kann. „Um diese Folgeerkrankungen zu vermeiden, muss die Fettleber rechtzeitig erkannt sowie das jeweilige Risiko für Leber-, Stoffwechsel- und Herzmuskelerkrankungen genau bewertet werden. Dann lässt sich eine maßgeschneiderte Prävention und Behandlung konzipieren“, erläutert Erstautor Norbert Stefan.

Empfehlungen

„Auf eine Fettleber hin sollten nicht nur Patienten mit erhöhten Leberenzymen untersucht werden, sondern auch Personen mit einer dysproportionalen Fettverteilung, d.h. einem hohen Anteil an Bauchfett und/oder einem geringen Anteil an Fett um die Hüften und Beine“, sagt Hans-Ulrich Häring. Darüber hinaus empfehlen er und seine Kollegen ein Fettleber-Screening auch für Menschen, die an einer Insulinresistenz bzw. an Typ-2-Diabetes leiden.

Doch wie lassen sich die Fettanteile in der Leber zuverlässig bestimmen und Leberschädigungen wie Entzündung und Fibrose sicher erkennen? Dafür eignen sich in der Primärversorgung einfache Indizes oder Ultraschalluntersuchungen. Spezialisten wie Hepatologen, Endokrinologen und Radiologen könnten dann bei Bedarf weitere Untersuchungen, zum Beispiel MRT, einsetzen.

Leiden Patienten an einer Fettleber, lassen sich mit einer Lebensstil-Intervention oft positive Effekte erzielen. So kann man durch eine Abnahme von etwa fünf Prozent Gewicht den Fettgehalt in der Leber um bis zu 30 Prozent reduzieren. Um das Risiko für Leberentzündungen und Fibrosen zu verringern, bedarf es jedoch eines Gewichtsverlustes von etwa zehn Prozent. „Wenn eine solche Gewichtsreduktion nicht erreicht werden kann oder sie nicht ausreicht, um die NAFLD zu verbessern, sollte eine pharmakologische Behandlung in Betracht gezogen werden“, sagt Kenneth Cusi. Obwohl die NAFLD die inzwischen zweithäufigste Indikation für eine Leber-Transplantation ist, gibt es keine zugelassene spezifische Pharmakotherapie. In letzter Zeit wurden daher zunehmend Gewichts- und den Glukosespiegel senkende Therapien auf ihre Wirksamkeit bei NAFLD untersucht, so etwa Pioglitazon, Liraglutid und auch SGLT-2-Hemmer. 

 „Unter bestimmten Bedingungen wie etwa dem Auftreten von Diabetes und NAFLD oder Adipositas und NAFLD können spezifische Medikamente eingesetzt werden, die unterschiedliche Auswirkungen auf Leberfettgehalt, Entzündung und Fibrose haben“, so Cusi.

Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine genetisch bedingte NAFLD mit einem höheren Risiko für Leberfibrose und Leberkrebs verbunden ist. Allerdings haben die Betroffenen ein geringes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um die Betroffenen richtig behandeln zu können, ist es daher wichtig zu wissen, ob eine Fettleber genetisch bedingt ist.

Finanzierung: öffentliche Mittel